„Zu teuer, intransparent und überflüssig“

Rente aufbessern mit einer hybriden Altersversicherung? Experten mit scharfer Kritik

  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
    schließen

Wer sich nicht auf die gesetzliche Rente verlassen möchte, sollte privat vorsorgen. Dafür gibt es verschiedene Modelle – zum Beispiel die hybride Altersversicherung. Doch davon halten Experten wenig.

Bei der Höhe der Rente im Alter gibt es große Unterschiede. Während manche lediglich das Minimum, die Grundsicherung beziehen, haben sich andere die höchstmögliche Rente erarbeitet. Die meisten bewegen sich mit ihren Bezügen allerdings irgendwo dazwischen. Arbeitnehmer sollten sich so früh wie möglich mit ihrer Rente auseinandersetzen. Wem der erwartete Bezug nicht reicht, der kann sich rechtzeitig darum kümmern, Geld anzulegen und die Rente aufbessern.

Mit Rendite und trotzdem sicher fürs Alter vorsorgen – eine „fondsgebundene Rentenversicherung mit Garantie“ verspricht genau das. Doch lohnt sich das wirklich? Experten kritisieren die „hybride Altersversicherung“ scharf.

Rente aufbessern mit einer hybriden Altersversicherung – eine perfekte Lösung?

Wer im Alter nicht alleine von der gesetzlichen Rente leben möchte, sollte sich rechtzeitig um eine private Altersvorsorge bemühen. Ein Modell, das sich anbietet, ist die „hybride Rentenversicherung“.  Ein Teil der eingezahlten Beiträge geht in festverzinsliche Anlagen, der Rest wird am Kapitalmarkt investiert: Das ist – grob gesagt – das Wesen einer hybriden Rentenversicherung, erklärt die „dpa“.

Sie soll das Beste aus beiden Welten, der klassischen und fondsgebundenen Rentenversicherung, zusammenführen – Rendite und Sicherheit. Doch was fast zu schön klingt, um wahr zu sein, hat in der Regel auch einen Haken. Wo er sich befindet, hat unter anderem die Zeitschrift „Finanztest“ untersucht.

Hybride Rentenversicherung: So funktioniert das Konzept – wie das Geld investiert wird

Typischerweise funktioniert die Aufteilung einer hybriden Rentenversicherung – auch wenn die Gewichtung grundsätzlich frei gewählt werden kann – wie folgt: 80 Prozent der Beiträge für die Altersvorsorge werden zinsgebunden, 20 Prozent in Fonds investiert.

Damit kann der Versicherer garantieren, dass 80 Prozent des eingezahlten Geldes zu Rentenbeginn zur Verfügung steht. Wie sich das restliche Kapital – nach Abzug der Kosten – in den Fonds geschlagen hat, hängt von der Entwicklung des Kapitalmarkts ab und ist damit ungewiss.

Experte kritisiert hybride Rentenversicherung – „zu teuer, intransparent und überflüssig“

„Finanztest“-Redakteur Max Schmutzer sieht die hybriden Rentenversicherungen kritisch: „Die Produkte sind zu teuer, intransparent und überflüssig.“ Zum einen ist die zu erwartende Inflation zu berücksichtigen, wenn von 100 jetzt eingezahlten Euro in 30 Jahren nur 80 Euro sicher sind. Dann sind diese 80 Euro deutlich weniger wert. Und was die Rendite angeht: „In vielen Marktphasen landet gar kein Geld in den Aktienfonds, die ich mir als Kunde selbst ausgesucht habe, damit bleibt eine hohe Rendite aus.“

Rente aufbessern mit einer hybriden Altersversicherung? Experten üben scharfe Kritik.

Dass unterm Strich nicht viel herauskommt, liege an dem Garantiebaustein, der nur geringe Renditeaussichten verspricht und den Kosten, die der Versicherer erst mal für sich selbst abziehe, so der Finanzexperte der „Stiftung Warentest“. Hinzu kommt: Die Garantien gelten häufig nur, wenn Versicherte die vereinbarte Laufzeit auch durchhalten – und das tun sie erfahrungsgemäß nur bei jedem zweiten dieser Verträge.

„Einzige Garantie ist eine negative Rendite“: Experte übt scharfe Kritik an hybrider Altersvorsorge

Zu einem ähnlichen Urteil kommt auch Constantin Papaspyratos, Chefökonom beim „Bund der Versicherten“. Er sagt: „Mir fällt niemand ein, für den sich diese Art von Versicherung lohnen würde. Die einzige Garantie, die Sie bekommen, ist letztlich eine negative Rendite.“ Die aus seiner Sicht drei wesentlichen Nachteile:

  • Die fehlende Flexibilität – man legt sich auf lange Sicht fest, auch auf einen bestimmten Anbieter.
  • Die eingeschränkte Fondsauswahl, die bei Versicherern zwar schon deutlich besser sei als noch vor einigen Jahren – im Vergleich zu Depotanbietern aber immer noch deutlich unterlegen ist.
  • Die hohen Abschluss- und Vertriebskosten – die auch diejenigen vollständig zahlen, die vor Laufzeitende aussteigen.

Tipps für die private Altersvorsorge: So kann für die Rente effektiv gespart werden

Der BdV-Chefökonom rät dazu, sein Geld nicht nur in eine Aktie zu investieren, sondern sehr breit über den Markt zu streuen – und zwar über viele Währungsräume und Branchen. „Ein großer Indexfonds mit mehreren Tausend Titeln kann das Risiko für sicherheitsorientierte Sparer weitgehend einschränken“, sagt Papaspyratos.

Für mehr Sicherheit ist auch laut Schmutzer keine Rentenversicherung mit Garantiebaustein nötig. Stattdessen könne man sich sein eigenes Modell basteln. Bei einer günstigeren fondsgebundenen Rentenversicherung ohne Garantie könnten Anleihe-ETF und Aktien-ETF so kombiniert werden, dass die Anlage sehr sicher sei.

Eigenen Renten-Sparplan fürs Alter erstellen: Das ist wichtig

Oder man baut sich einen solchen Sparplan ganz allein zusammen – ohne den Versicherer. Bei der „Stiftung Warentest“ nennt sich das „Pantoffel-Portfolio“, weil es so einfach und bequem zu verwalten sei. Auch das Pantoffel-Portfolio besteht aus einem Rendite- und einem Sicherheitsbaustein, die man je nach Risikoneigung stärker oder schwächer gewichten kann – also zum Beispiel ein Viertel zu drei Vierteln. Oder auch halbe-halbe.

„Der Sicherheitsbaustein kann ein Tagesgeldkonto oder ein ETF mit Staatsanleihen sein“, sagt Finanzexperte Schmutzer. „Durch die gestiegenen Zinsen werfen auch die Sicherheitsbausteine etwas ab.“ Der andere Baustein investiert über ein Depotkonto in einen ETF auf einen Welt-Aktienindex.

Rubriklistenbild: © IMAGO / suedraumfoto

Mehr zum Thema