Weniger Geld und mehr Arbeit
Renten-Schreck? CDU plant „Aktivrente“ – wer jetzt mit Nachteilen rechnen muss
VonJuliane Reyleschließen
Die CDU plant aktuell die Einführung der „Aktivrente“, die vor allem Senioren betrifft. Aber auch junge Arbeitnehmer könnten benachteiligt werden.
Die CDU will mit der sogenannten „Aktivrente“ den Fachkräftemangel in Deutschland bekämpfen. Dabei sollen Rentner steuerliche Vorteile erhalten, wenn sie nach Renteneintritt weiterarbeiten. Doch was bedeutet das konkret? Mehr oder weniger Rente? Und wer könnte davon profitieren oder benachteiligt werden? echo24.de fasst zusammen.
Neue Pläne der CDU: Was steckt hinter der „Aktivrente“?
Nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau plant die CDU eine deutliche Anhebung des Steuerfreibetrags für erwerbstätige Rentner. Bisher liegt dieser bei 1038,05 Euro, soll aber zusammen mit der „Aktivrente“ auf 2000 Euro angehoben werden. Friedrich Merz, der, wie deutschland.de und andere Medien spekulieren, wahrscheinlich neuer Bundeskanzler wird, will damit Anreize schaffen, um Senioren länger im Berufsleben zu halten. Damit soll dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Die Aktivrente könnte für diese Pläne förderlich sein.
Aber genauso wie die von Politikern geplante Mütterrente 3, die sowohl Verlierer als auch Gewinner haben könnte, soll auch die „Aktivrente“ nicht nur Vorteile, sondern auch ihre Schattenseiten haben.
„Aktivrente“ als Maßnahme gegen Fachkräftemangel und die Rolle der Silver Worker
Deutschland steht laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vor einem massiven Fachkräftemangel. Bis zum Jahr 2027 könnten bis zu 728.000 Fachkräfte fehlen. Besonders betroffen sind Branchen mit körperlich weniger anstrengenden Tätigkeiten, in denen viele Rentner weiterarbeiten könnten. Die „Aktivrente“ könnte demnach eine Hilfe sein.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann betonte, dass die Bundesregierung zu stark auf die Zuwanderung von Fachkräften setze und das inländische Potenzial „unterschätzt“ werde, wie die Frankfurter Rundschau Anfang März berichtete. Bereits 2023 hatte die CDU die Idee der Silver Worker vorgestellt, um erfahrene Arbeitskräfte im Erwerbsleben zu halten.
Was sind Silver Worker?
Auch wenn bei weitem nicht alle Silver Worker graue Haare haben, so bezeichnet der Begriff doch Menschen im fortgeschrittenen Alter, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen, wie das soziale Netzwerk XING erklärt.
Wer profitiert von der „Aktivrente“ – und wer könnte Nachteile haben?
Die Pläne zur „Aktivrente“ stoßen in Deutschland genauso auf gemischte Reaktionen wie die Pläne für die Mütterrente 3. Während einige Rentner von der höheren Freigrenze profitieren könnten, könnte es für andere Nachteile geben, wie tagesschau berichtet.
Profiteure der „Aktivrente“:
- Rentner, die noch arbeiten möchten und bislang steuerliche Abzüge hinnehmen mussten
- Arbeitgeber, die auf erfahrene Arbeitskräfte zurückgreifen können.
Mögliche Verlierer der „Aktivrente“:
- Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen, die nicht länger arbeiten können.
- Jüngere Arbeitskräfte, die durch eine längere Verweildauer der Rentner im Job weniger Chancen auf Karrierefortschritt haben.
- Sozial schwächere Rentner, die nicht von der steuerlichen Begünstigung profitieren, weil sie keine Erwerbseinkommen mehr erzielen.
„Aktivrente“ in Planung: Wer muss um sein Geld bangen?
SPD-Finanzexperte Michael Schrodi kritisierte gegenüber tagesschau, dass vor allem wohlhabendere Rentner von den neuen Steuerfreigrenzen profitieren würden. Menschen mit harten Berufen würden hingegen doppelt benachteiligt: Durch frühzeitige Rentenabschläge und fehlende steuerliche Vorteile.
Um sein Einkommen muss sich wegen der „Aktivrente“ wahrscheinlich niemand direkt Sorgen machen, aber die Jüngeren könnten weniger Aufstiegsmöglichkeiten erwarten, wenn die Älteren länger in ihrem Beruf bleiben. Wer nicht aufsteigt, bekommt in der Regel auch nicht mehr Geld. Für die Zukunft der jungen Arbeitnehmer könnte dies bedeuten, dass sie weniger Geld auf dem Konto haben werden als bisher erhofft.
Im Umkehrschluss hieße das: Die jüngere Generation muss länger arbeiten, um sich später denselben Lebensstandart leisten zu können oder die selbe Rente zu erhalten. Doch auch das ist individuell und nicht zu pauschalisieren.
Macht die „Aktivrente“ den späteren Renteneintritt unattraktiv?
Wer über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet, erhält in Deutschland einen Rentenzuschlag von 0,5 Prozent pro Monat, wie die Deutsche Rentenversicherung schreibt. Das entspricht sechs Prozent mehr Rente im Jahr. Mit dem neuen Steuerfreibetrag könnte es aber attraktiver werden, in Rente zu gehen und dann steuerfrei hinzuzuverdienen.
Ein Rentner mit einem früheren Bruttoeinkommen von 2500 Euro könnte mit der „Aktivrente“ netto sogar mehr bekommen als mit der regulären vorgezogenen Rente. Ob sich ein späterer Renteneintritt oder die „Aktivrente“ mehr lohnt, hängt jedoch stark von individuellen Faktoren wie Alter, Beschäftigungsdauer und Lebenserwartung ab.
Die „Aktivrente“ könnte also für viele arbeitende Rentner eine finanzielle Entlastung bedeuten. Doch sie birgt auch Risiken: Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, bleibt außen vor. Zudem droht eine Zweiklassengesellschaft unter Rentnern. Ob die CDU ihre Pläne umsetzen kann, hängt davon ab, wie die Koalitionsverhandlungen verlaufen. Sicher ist: Die aktuelle Debatte über das Rentensystem wird wohl weitergehen. Generell plant die Bundesregierung wichtige Renten-Änderungen in 2025 – sie betreffen 21 Millionen Senioren
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