Prognosen für die Zukunft
Renten steigen ab Juli kräftig: So viel mehr Geld gibt es dann für Ruheständler
VonLisa Kleinschließen
Rentner haben künftig etwas mehr Geld auf dem Konto: Die Renten steigen ab Juli – und zwar deutlich mehr als erwartet. Allerdings könnte das für die nächsten Jahre der letzte große Sprung gewesen sein.
Wer schon in Rente ist, darf sich freuen: Denn es gibt mehr Geld! Ab Juli 2024 steigen die Renten in Deutschland. Und das sogar deutlich mehr als prognostiziert. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) spricht von einem „historischen Tag“ – der allerdings auch eine Schattenseite hat: Künftig müssen sich Rentner auf geringere Erhöhungen einstellen, schreibt die „Deutsche Presse-Agentur“.
Renten in Deutschland steigen ab Juli: So viel mehr gibt es dann im Ruhestand
Die mehr als 21 Millionen Rentner in Deutschland erhalten ab Juli um 4,57 Prozent höhere Bezüge. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine entsprechende Verordnung von Bundesarbeitsminister Heil.
Die Erhöhung ist dabei deutlich stärker als im Herbst 2023 vorhergesagt: Damals gingen Schätzer von einem Plus von rund 3,5 Prozent im Juli aus. Hauptgründe für die deutliche Erhöhung sind der stabile Arbeitsmarkt in Deutschland und gute Lohnabschlüsse. Für die Rentenanpassung maßgeblich waren Lohnsteigerungen von 4,72 Prozent.
Eine Rente von 1000 Euro steigt damit um 45,70 Euro. echo24.de berichtet, wie viel Arbeitnehmer jetzt verdienen müssen, um später eine Rente in Höhe von 1500 Euro zu bekommen. Wer später eine Rente von mehr als 2500 Euro erzielen will, muss deutlich mehr verdienen.
„Historischer Tag“: Renten im Osten und im Westen angeglichen
Arbeitsminister Heil sprach von einem „historischen Tag“: „Nach 34 Jahren ist endlich die Einheit auch im Rentensystem in Deutschland geschafft.“ 2023 waren die Altersbezüge in den alten Ländern noch um 4,39 und im Osten um 5,86 Prozent gestiegen. Damit hatten sich die Renten aber bereits vergangenes Jahr angeglichen. Das war früher als vorgesehen. Denn die Löhne waren im Osten zuvor deutlich stärker gestiegen als im Westen.
Doch es gibt auch Kritik: Der Rentenexperte der Linken, Matthias W. Birkwald, meint: „Diese Erhöhung reicht angesichts der vergangenen Inflationsjahre bei weitem nicht aus.“ Auch die Chefin des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, sagte, die Kostensteigerungen der vergangenen Monate und Jahre würden lange nicht ausgeglichen.
„Vor allem die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten stellen eine große Belastung dar. Viele Beschäftigte, Beamte und Pensionäre haben daher bereits einen steuerfreien Inflationsausgleich erhalten, Rentnerinnen und Rentner aber nicht“, kritisiert Engelmeier. Immer mehr Rentner brauchen finanzielle Unterstützung im Alter. In Deutschland bekommen vor allem Frauen bekommen deutlich weniger Rente.
Düstere Prognosen für die Zukunft: Renten steigen künftig weniger stark
Rentensteigerungen dürfte es auch künftig geben – aber laut aktuellem Rentenversicherungsbericht in geringerem Ausmaß. So geht der Bericht bis 2037 von einer durchschnittlichen Steigerungsrate von 2,6 Prozent pro Jahr aus – insgesamt gut 43 Prozent. Ohne gesetzliche Eingriffe würde der Übertritt von Millionen sogenannter Babyboomer in die Rente immer deutlicher spürbar werden. Laut dem Bericht dürfte das Rentenniveau ohne Reform von derzeit 48,2 Prozent bis auf 45,0 Prozent im Jahr 2037 sinken. Die Renten würden dann generell nicht mehr so stark wie die Löhne steigen.
echo24.de berichtete bereits, welche Jahrgänge die niedrigste Rente und im Vergleich am wenigsten Geld bekommen. Deutlich besser sieht es bei anderen Jahrgängen aus: Wer die höchste Rente in Deutschland bekommt. Übrigens: In Deutschland gibt es auch eine Höchstrente.
Aktien-Rente soll den Ruhestand künftig sichern – das plant die Regierung
Die Parteien haben bereits Renten-Pläne vorgestellt. Das Gesetzespaket soll im Mai im Bundeskabinett beschlossen werden. Dafür ernteten Finanzminister Christian Lindner (FDP) und der Arbeitsminister scharfe Kritik. Die in dem Finanzpaket enthaltene Aktienrente sei eine Casino-Rente.
Die Rentenausgaben würden ohne Reform laut Gesetzentwurf bis 2045 von derzeit 372 auf 755 Milliarden Euro steigen – durch das 48-Prozent-Rentenniveau dürften es 800 Milliarden Euro werden. Der Rentenbeitrag würde ohne Geldanlage am Kapitalmarkt von 18,6 Prozent bis 2045 auf 22,7 Prozent steigen. Mit Generationenkapital sollen es dann 22,3 Prozent werden. Deutschlands Arbeitgeber hatten bereits kritisiert: „Das geplante Rentenpaket II wäre das teuerste Sozialgesetz dieses Jahrhunderts.“
Experten meinen, die Aktienrente komme zu spät und die Wirkung sei zu klein, um langfristig ein hohes Rentenniveau aufrechterhalten zu können. Zuletzt sorgte auch die Forderung nach einem neuen System und die Rente mit 72 für Diskussion.
Weitere Infos rund um das Thema Rente
Wer wissen will, wie hoch seine Rente im Alter ausfällt, kann das mit der „Rentenformel“ ausrechnen. Die Rentenhöhen in Deutschland fallen ganz unterschiedlich aus, sie sind nicht nur abhängig vom Bruttolohn, sondern auch davon, wie lange gearbeitet wurde. echo24.de berichtet, wie groß die Unterschiede bei der Rentenhöhe sind.
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