Einmalige Fähigkeit

Bodensee-Wunderwaffe für F-16-Kampfjets? Deutsche Rakete könnte Ukraine unterstützen

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Die Ukraine hat erste F-16-Jets gegen Russland in Stellung gebracht. Diese könnten mit einer speziellen Rakete aus Deutschland ausgestattet werden.

Kiew – Die Nachricht sorgt im Ukraine-Krieg für Aufsehen: Die ersten F-16-Kampfjets aus der Nato haben das geschundene Land nach langem Warten jetzt erreicht. Das berichteten am Mittwoch (31. Juli) verschiedene internationale Medien übereinstimmend.

F-16-Kampfjets der Ukraine: Welche Raketen bekommt Kiew für die Flugzeuge?

Wie die britische Times schreibt, sollen die ersten sechs F-16 aus den Niederlanden in der Ukraine eingetroffen sein. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht. Schließlich hört und liest das Regime von Kreml-Autokrat Wladimir Putin in Russland mit.

Während Putins russische Armee nach Schwächen in der ukrainischen Infrastruktur sucht, stellt sich die Frage, mit welchen Raketen die F-16-Kampfflugzeuge der Ukrainer von der Verteidigungsallianz Nato ausgestattet werden. Ist auch eine Lenkwaffe aus Deutschland darunter? Eine spezielle Rakete käme zumindest theoretisch in Frage.

Eine Luft-Luft-Rakete IRIS-T AIM-2000 an einem Eurofighter der Bundeswehr.

IRIS-T-Lenkwaffen aus Deutschland: F-16-Kampfjets können die Raketen abfeuern

Es geht um den Luft-Luft-Lenkflugkörper IRIS-T, der sich als Flugabwehr-Variante zum Schutz von kritischer Infrastruktur in der Ukraine bewährt hat. Wie das Bundeswehr-Journal berichtet, zählt IRIS-T zur Standardbewaffnung des Eurofighter/Typhoon der deutschen Streitkräfte. Die Rakete ist demnach ebenfalls in den Waffen-Plattformen Tornado, Gripen und F-16 integriert. In der Theorie kann die infrarotgesteuerte Lenkwaffe IRIS-T also unter die Flügel der einstrahligen F-16-Kampfflugzeuge gespannt werden, mit denen die ukrainischen Luftstreitkräfte laut eines US-Generals auch westliche Standards und Taktiken lernen sollen.

Und: Die Rakete würde Kiew auch in diesem Einsatzgebiet viele Vorteile verschaffen. Denn: Laut Bundeswehr-Journal können die Piloten mit IRIS-T sowohl gegnerische Kampfflugzeuge als auch angreifende Luft-Luft- und Boden-Luft-Flugkörper von feindlicher Flugabwehr bekämpfen. Wenn im Cockpit schnell genug gehandelt wird. Damit nicht genug: Als eine der fortschrittlichsten Kurzstreckenraketen der Welt ermöglicht es IRIS-T den Piloten, zudem Luftziele rund um das eigene Flugzeug zu bekämpfen, ohne sich in Abschussposition manövrieren zu müssen.

IRIS-T (Infra Red Imaging System Tail)
Hersteller:Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee
Waffentyp:Luft-Luft-Rakete kurzer Reichweite
Waffenträger (Kampfjets):Eurofighter Typhoon, Tornado, F-16, Gripen
Indienststellung:2005
Stückpreis:250.000 Euro
Reichweite:25 Kilometer
Geschwindigkeit:Mach 3 (3704,4 km/h)
Länge / Durchmesser:2,9 m / 12,7 cm

F-16-Kampfflugzeuge für die Ukraine: Gehört auch IRIS-T zum Waffen-Arsenal?

Heißt: Piloten können mit IRIS-T selbst Angriffe von hinten abwehren. Wie das technisch geht, ist im Detail ein strenges Geheimnis des deutschen Rüstungsherstellers Diehl Defence aus Überlingen am Bodensee, der die 2,9 Meter langen Raketen (Durchmesser: 12,7 Zentimeter) baut. Dass eine Rakete so vielseitig funktioniert, ist nicht alltäglich. Die AGM-88 HARM ist beispielsweise im Ukraine-Krieg ausschließlich dafür konzipiert, gegnerische Radarstationen zu identifizieren und auszuschalten.

Der mögliche Einsatz gegen Luft-Luft-Lenkwaffen, wie sie die Russen reihenweise heimtückisch und brutal auf ukrainische Städte abfeuern, würde die IRIS-T umso wertvoller für die ukrainischen Verteidiger in den F-16-Kampfjets machen. Theoretisch. Zwar listet die Ampel-Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP Lenkflugkörper (Raketen) für die gelieferten Flugabwehr-Systeme IRIS-T-SLM (4 Stück) und IRIS-T-SLS (2) immer wieder auf ihrer Website unter den militärischen Unterstützungsleistungen für die Ukraine auf.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

F-16-Kampfjets der Ukraine: Dänemark, Niederlande, Norwegen und Belgien liefern

Ob die Flugkörper aber auch für durch Nato-Partner gelieferte Kampfjets vorgesehen sind, geht weder aus der Liste hervor noch wurde es bislang durch die Politik klar kommuniziert. Die Ukraine soll in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren aus Dänemark (19 Flugzeuge), aus den Niederlanden (bis zu 42 F-16-Kampfflugzeuge), Norwegen (fünf bis zehn Stück) und Belgien (30 Flugzeuge) rund 100 Kampfjets der älteren Version F-16A/B aus den 1980er Jahren erhalten. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Björn Trotzki