Alte Bauernregel gebrochen

„Heißheilige“ 2025? Marmertus bringt Sommertag statt Frühlingsfrost

  • Michaela Ebert
    VonMichaela Ebert
    schließen

Statt Frost und Kälte stehen in diesem Jahr wohl vielmehr „Heißheilige“ an. Die Bauernregel wird durch eine Hochdruckwetterlage auf die Probe gestellt. Wie sommerlich werden die nächsten Tage?

„Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz“, besagt eine alte Bauernregel. Gemeint ist damit der erste Tag der sogenannten Eisheiligen – einer Kälteperiode im Mai, die mitten im Wonnemonat für Frühlingsfrische und mitunter sogar Frost sorgt. Gerade für Hobbygärtner bieten die Eisheiligen deshalb ein paar Anhaltspunkte, ab wann die frost- und kälteempfindlichen Pflanzen ins Freie gesetzt werden dürfen.

Doch in diesem Jahr könnte die Großwetterlage dem 100-jährigen Kalender, der sich auf die alten Bauernregeln bezieht, einen Strich durch die Rechnung machen. Denn schon seit Anfang Mai setzt sich ein stabiles Hoch über Deutschland fest und sorgt für frühlingshafte Frische in der ersten Monatshälfte. Gleichzeitig scheint die Sonne aus voller Kraft – und treibt das Thermometer trotz nordischer Luftmassen täglich in den zweistelligen Bereich. Die „Kalte Sophie“ landet in diesem Jahr demnach wohl eher keinen Treffer und erwartet wetter.com Tageshöchstwerte von bis zu 23 Grad.

Wetterphänomen auf dem Prüfstand: Dieses Jahr eher „Heißheilige“?

Und schon der Start in das Wetterphänomen könnte in diesem Jahr wohl eher als „Heißheilige“ bezeichnet werden. Denn am 12. Mai wird im Bauernkalender zwar das „kalte Herz des Mamertius“ angekündigt. Stattdessen sind jedoch in Deutschland – genauer gesagt am südwestlichen Rand von Baden-Württemberg – Höchstwerte von bis zu 25 Grad zu erwarten. In der Metrologie spricht man bei derartigen Temperaturen bereits von einem Sommertag.

TagZu erwartende Höchsttemperaturen (Quelle: wetter.net)
Freitag, 9. MaiBis zu 20 Grad im Rhein-Main-Gebiet
Samstag, 10. MaiBis zu 23 Grad am Oberrhein
Sonntag, 11. Mai - Muttertag und Tag des Eisheiligen MamertusBis zu 25 Grad am Oberrhein
Montag, 12. Mai - Tag des Eisheiligen PankratiusBis zu 24 Grad am Oberrhein
Dienstag, 13. Mai - Tag des Eisheiligen ServatiusBis zu 23 Grad im Rhein-Ruhr-Gebiet
Mittwoch, 14. Mai - Tag des Eisheiligen Bonifatius von TarsusBis zu 25 Grad im Rhein-Main-Gebiet
Donnerstag, 15. Mai - Tag der Eisheiligen Kalten SophieBis zu 23 Grad
Freitag, 16. MaiZwischen 18 und 25 Grad
Samstag, 17. MaiZwischen 14 und 24 Grad
Sonntag, 18. Maizwischen 22 und 28 Grad

Eisheilige trotzen den Vorhersagen – was es mit dem Wetterphänomen auf sich hat

Generell gelten die Eisheiligen zwar als Lostage, also als Tage, an denen nach dem Volksglauben ein Hinweis für die weitere Wetterentwicklung der nachfolgenden Wochen oder Monate gegeben ist. Wissenschaftlich bestätigt sind sie jedoch nicht. Manch ein Experte hält derartige Wetter-Mythen sogar schlichtweg für „Schwachsinn“.

Gleichzeitig aber geben meteorologische Wetterphänomene einen Hinweis darauf, warum die Eisheiligen in der Regel in Deutschland für die typischen Kaltlufteinbrüche Mitte Mai sorgen: Denn zum Ende des Winters kollabiert der Polarwirbel im hohen Norden. Durch den Zusammenbruch werden arktische Luftmassen bis nach Mitteleuropa gedrückt. Die kalte Arktisluft schiebt sich dann von Norden nach Süden über Deutschland, was auch die eintägige Differenz beim Beginn der Eisheiligen erklärt.

Typische Kälte im Mai: Wann die Eisheiligen starten

In Norddeutschland ist vor allem der erste Tag der Eisheiligen, also der 11. Mai mit dem Heiligen Marmertus, von großer Bedeutung. In Süddeutschland wird hingegen eher der 12. Mai, also der Heilige Pankratius als Beginn der Eisheiligen betrachtet. Obwohl die Tage im Kalender fest im Kalender stehen, kann es vorkommen, dass eine derartige Kälteperiode bereits kurze Zeit davor oder gar danach eintritt, wie in diesem Jahr zum Beispiel.

Rubriklistenbild: © IMAGO/ Alexander Rochau