Wichtige Waffe im Ukraine-Krieg

Wohl Milliarden-Zahlungen an den Iran – wie viel kosten Putin die Kamikaze-Drohnen?

  • Felix Durach
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Russland setzt im Ukraine-Krieg auf iranische Kamikaze-Drohnen. Neue Veröffentlichungen sollen nun die Kosten für die Drohnen-Käufe zeigen.

Moskau – Iranische Shahed-Drohnen haben eine zentrale Rolle für die russischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg eingenommen. Die Drohnen können in Schwärmen angreifen und so auch die modernen ukrainischen Luftverteidigungssysteme überlasten. Beim Einschlag können die Fluggeräte dazu erheblichen Schaden anrichten. Vor allem aber sollen die Kamikaze-Drohnen sehr kostengünstig sein – gerade im Vergleich mit den Verteidigungssystemen. Doch was zahlt Präsident Wladimir Putin wirklich für die Drohnen? Ein am Wochenende veröffentlichter Bericht könnte Aufschluss geben und zeigt hohe Kosten.

Russland zahlt offenbar mehrere Milliarden Euro für den Import von iranischen Shahed-Kamikaze-Drohnen.

Wichtige Waffe im Ukraine-Krieg – Was kostet eine iranische Kamikaze-Drohne?

Der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) bezieht sich in seinem Lagebericht vom Dienstag (6. Februar) auf Dokumente, die durch einen Hacker-Angriff veröffentlicht wurden. Für eine Drohne in der Standardausführung Shahed-136 zahlt Russland demnach 193.000 US-Dollar (ca. 180.000 Euro) pro Stück bei einer Stückzahl von 6000 an das Regime in Teheran. Den Dokumenten zufolge hatten sich Moskau und Teheran bereits im Jahr 2022 auf die Lieferung von 6000 Drohnen so wie dazugehörige Hard- und Software geeinigt. Kostenpunkt: 1,75 Milliarden US-Dollar.

Der Hacker-Gruppierung Prana Network war es offenbar am Wochenende gelungen, die Server des Unternehmens Sahara Thunder zu hacken. Sahara Thunder wird als mutmaßliche Tarnfirma für die Iranischen Revolutionsgarden eingestuft. Aus den Dokumenten soll auch hervorgehen, dass der Iran anfänglich einen Preis von 375.000 US-Dollar pro Drohne gefordert hatte. Als Grund für den hohen Ausgangspreis nannte der russische Militärblogger milinfolive auf seinem Telegram-Kanal unter anderem politische Risiken für den Iran und mangelnde Alternativen für Russland.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Falke statt Shahed: Baut Russland bald eigene Kamikaze-Drohnen?

Putin und der Kreml könnten den Preis für die Drohnen jedoch noch einmal erheblich drücken, wenn sie die Produktion der Drohnen nach Russland verlagern würde. Dann koste eine Drohne noch 165.000 US-Dollar. Einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge setzt Moskau entsprechende Pläne bereits um. Die russische Drohne soll „komplett aus kommerziellen Komponenten“ hergestellt werden und den Namen Falke tragen. Dem Tass-Bericht zufolge soll die Drohne als „Pseudo-Marschflugkörper“ oder „Täuschungsziel“ bei Angriffen auf die Ukraine eingesetzt werden.

Das ISW verwies in seinem Lagebericht darauf, dass die Echtheit der veröffentlichten Dokumente nicht unabhängig überprüft werden könne. Die in dem Dokument verwendeten Begriffe seien jedoch konsistent mit anderen Berichten im Zusammenhang mit der iranischen Drohnenproduktion.

Kamikaze-Drohnen im Ukraine-Krieg – Überlastung der Luftabwehr als Ziel

Im Krieg setzten Putins Streitkräfte die Shahed-Drohnen vor allem bei Angriffen auf militärische und zivile Infrastruktur in der Ukraine ein. Die Kamikaze-Drohnen kommen dabei in großer Zahl und in Kombination mit Raketen und Marschflugkörpern zum Einsatz. Die wenigen modernen Luftabwehrsysteme im Besitz der Ukraine sollen dadurch gezielt überlastet werden. So können die westlichen Patriot-Systeme lediglich bis zu 50 Ziele gleichzeitig bekämpfen.

Wie das ISW weiter berichtet, hat Russland neben der Shahed-136-Bestellungen auch weitere Drohnen in Auftrag gegeben. Dazu zählt die verbesserte Drohnen-Version Shahed-238, die je nach Ausführung zwischen 900.000 US-Dollar (ca. 835.000 Euro) und 1,4 Millionen US-Dollar (1,3 Millionen Euro) kosten. Und die für Sprengstoff und Aufklärung vorgesehenen Shahed-107-Drohne, deren Preis bei 460.000 US-Dollar (427.000 Euro) liegt. Insgesamt kommt der US-Thinktank dadurch auf Kosten in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar, die Russland pro Jahr für iranische Drohnen ausgeben soll. (fd)

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