Live-Gespräch auf X

Nach Trumps Interview mit Musk: Harris-Lager mit Gegenschlag – „was auch immer das war“

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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Donald Trump wettert in einem In mit Elon Musk gegen Kamala Harris. Ihr Team reagiert mit Spott.

Washington, D.C. – In einem sehr einseitigen Gespräch auf der Plattform X haben Donald Trump und sein Unterstützer, Tech-Milliardär Elon Musk, zahlreiche radikale Theorien geäußert. In der Unterhaltung am Montagabend (12. August, Ortszeit) wetterte Trump vor allem gegen Kamala Harris, Einwanderung und Klimawandel, bezeichnete US-Präsident Joe Biden mehrfach als „dumm“ und sinnierte über die Einrichtung eines Raketenabwehrsystems nach dem Vorbild des israelischen Iron Dome.

Das live auf Musks Plattform übertragene Gespräch mit Trump begann mehr als 40 Minuten später als geplant, nach Angaben des Tech-Multimilliardärs wegen eines „massiven“ Cyberangriffs. Auch das gegnerische Lager bei der US-Wahl um Kamala Harris hat das Gespräch aufmerksam verfolgt – und gleich zum Gegenschlag ausgeholt.

Harris‘ Team spottet über Gegner bei US-Wahl: „Trump lallt“

Der X-Account „Kamala HQ“, betrieben von Harris‘ Kampagnenteam, hat spöttisch auf die technischen Probleme reagiert. Dabei wurde ein alter Post Trumps geteilt, in dem sich dieser über seinen ehemaligen Konkurrenten Ron DeSantis lustig machte – wegen technischer Probleme beim Start seiner Online-Kampagne.

Darüber hinaus spottete Harris‘ Team über Trumps Auftritt selbst: „Trump lallt und sagt, er habe kein Problem mit dem Klimawandel und dem Anstieg des Meeresspiegels, weil er denkt, dass er dann ‚mehr Grundstücke am Meer haben wird‘“, heißt es vom „Kamala HQ“ auf X.

Donald Trump (l.) hat sich in einem Gespräch auf der Plattform X gemeinsam mit Elon Musk (m.) abfällig über Kamala Harris geäußert. Das Wahlkampfteam der Demokratin reagiert mit Spott.

Im Anschluss an das Gespräch postete „Kamala HQ“ eine Stellungnahme zu „was auch immer das war“: „Donald Trumps Extremismus und seine gefährliche Projekt-2025-Agenda sind ein Merkmal und keine Panne seiner Kampagne, die denjenigen, die das Pech hatten, heute Abend bei X.com zuzuhören, deutlich vor Augen geführt wurde“, heißt es in der Erklärung. „Trumps gesamter Wahlkampf steht im Dienste von Leuten wie Elon Musk und ihm selbst – egozentrische reiche Typen, die die Mittelschicht verraten werden und die im Jahr 2024 keinen Livestream betreiben können.“

Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Mit dem Verzicht von Joe Biden auf die Kandidatur der Demokraten rückt seine Stellvertreterin Kamala Harris vor der US-Wahl 2024 in den Fokus.
Nachdem die Demokraten die Vizepräsidentin aufgestellt haben, hat Harris die Chance, als erste Frau in der Geschichte der USA das Präsidentenamt zu übernehmen. Damit wäre sie die mächtigste Frau der Welt.
Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland im Bundesstaat Kalifornien geboren. Ihr Vater war aus Jamaika in die USA eingewandert, um Wirtschaft zu studieren. Ihre Mutter, eine 2009 verstorbene Brustkrebsforscherin, kam aus Indien in die USA. Sie kam aus Indien und lernte Harris‘ Vater in den 60er Jahren in den USA kennen. 
Harris und ihre jüngere Schwester Maya wuchsen bei ihrer Mutter auf, zeitweise lebten sie im kanadischen Montreal. „Sie erzog uns zu stolzen, starken Schwarzen Frauen. Und sie hat uns beigebracht, unser indisches Erbe zu kennen und darauf stolz zu sein“, sagte Harris 2020 in einer Rede. Darin betonte sie auch, dass die USA einen Präsidenten brauchten, „der uns alle zusammenbringt – Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten, Indigene – um die Zukunft zu erreichen, die wir gemeinsam wollen“.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an

Spott über Trump und Verbündete: Team Harris setzt im Wahlkampf auf andere Strategie als Biden

Kamala Harris setzt auf eine ganz andere Strategie als Präsident Joe Biden, der im Juli seinen Rückzug aus dem US-Wahlkampf verkündete. Biden setzte vor allem auf die dramatische Warnung, dass Trump eine Bedrohung für die US-Demokratie sei. An dieser hält Harris auch weiterhin fest. Doch sie will den Republikaner zum Gespött machen – Harris‘ Lager bezeichnet Trump etwa als „weird“ („seltsam“). Trump und verbündete Republikaner reagieren gereizt auf das ungewollte Etikett.

Und die neue Strategie der Demokraten scheint zu funktionieren. Harris konnte in Umfragen zuletzt knapp an Trump vorbeiziehen. In den wichtigen Swing States legt die Demokratin derzeit ebenfalls zu. Auch beim wichtigen Thema Wirtschaft kann Harris punkten.

Elon Musk unterstützt Trump bei US-Wahl

Elon Musk ist in den vergangenen Jahre immer weiter nach Rechts abgedriftet. Vieles, was er seinen 190 Millionen Followern auf X schreibt, könnte auch direkt von Trump stammen. Er nannte die Demokraten eine „Partei der Spaltung und des Hasses“. Er behauptete ohne jede faktische Basis, sie unterstützten illegale Einwanderung, um die anstehende Wahl im November zu ihren Gunsten zu drehen.

Musk bezeichnete Kamala Harris als „buchstäblich eine Kommunistin“ – so wie Trump gern das Schreckgespenst der „radikalen Linken“, die Amerika zerstören könne, an die Wand malt. (lrg/dpa)

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