Angriffe mit FPV-Drohnen
Vorbereitung auf Ankunft der F-16-Kampfjets: Ukraine-Drohnen legen Putins Überwachungssystem lahm
VonFelix Durachschließen
Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf russische Kommunikations- und Überwachungsanlagen an der Front fort. Damit könnte Kiew die Ankunft der F-16-Kampfjets vorbereiten.
Kiew – Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR ist selten zurückhaltend, wenn es um die Verkündigung angeblicher Erfolge geht – so auch in dieser Woche. Auf dem Kurznachrichtendienst X teilte die Behörde ein Video mit der Überschrift „Die Jagd geht weiter“. Darin zu sehen war ein Zusammenschnitt von Angriffen des ukrainischen Militärs mit sogenannten FPV-Drohnen an der Front im Ukraine-Krieg. Ziel der Angriffe waren die Kommunikations- und Überwachungsanlagen Russlands. Das ukrainische Militär dürfte durch die Nadelstiche an der Front den Weg für einen erfolgreichen Einsatz von F-16-Kampfjets weiter ebnen.
Vorbereitung für F-16-Einsatz? Ukrainische Spezialeinheit zerstört Überwachungsanlagen mit Drohnen
Die in dem Video gezeigten Angriffe wurden durch die HUR-Spezialeinheit „Firebird“ durchgeführt, die sich auf Angriffe mit Drohnen spezialisiert haben. FPV-Drohnen sind kleine Fluggeräte, die von Piloten aus sicherer Entfernung mit einer Videobrille aus der Ego-Perspektive gesteuert werden können.
Die auch für den Privat- und Hobby-Bereich entwickelten Drohnen, werden vom ukrainischen Militär mit Sprengsätzen versehen und somit zu Kamikaze-Drohnen aus Eigenproduktion umfunktioniert. Der Militärgeheimdienst sprach bei den Videos von der „methodischen Zerstörung von gegnerischen Zielen an der Front“. Die Angriffe galten vor allem Sendemasten, Funkeinrichtungen und Überwachungsanlagen.
Russlands „Augen“ unter Beschuss: Ukraine greift im Krieg Radaranlagen an
Das übergeordnete Ziel der ukrainischen Streitkräfte bei den Angriffen dürfte die Zerstörung der Kommunikationsinfrastruktur an der Front sein, um weitere Angriffe in Zukunft besser durchführen zu können. Die Neue Zürcher Zeitung berichtete bereits Anfang Juni, dass Kiews Streitkräfte es auf Russlands „Augen“ an der Front abgesehen hätten. Die Ukraine konzentriere seit mehreren Wochen ihre Angriffe auf Radaranlagen der russischen Luftverteidigung. Durchgeführt wurden die Angriffe mit weitreichenden westlichen Raketen vom Typ ATACMS oder Storm Shadow. Mit den Angriffen sei „ein Kampf um die Hoheit im Luftraum verbunden“, schrieb die NZZ.
Die ukrainische Armeeführung hat es demnach darauf abgezielt, Russlands Truppen im Frontgebiet „blind“ zu machen und zum Abzug weiterer Luftverteidigung zu zwingen. Die Maßnahmen dienen auch als Vorbereitungen für die erwartete Lieferung von F-16-Kampfjets der westlichen Partner. Kiew soll „in diesem Sommer einsatzbereite F-16“-Kampfjets zur Verfügung haben, erklärten Dänemark und die Niederlande in der vergangenen Woche auf dem Nato-Gipfel in Washington. Weitere Flugzeuge sollen dann in den kommenden Monaten folgen.
Sorge um F-16-Kampfjets im Ukraine-Krieg – Kiew bereitet Einsatz mit Angriffen an der Front vor
Doch besteht für die Ukraine die Gefahr, dass die kostbaren Jets kurz nach ihrer Ankunft von der russischen Luftverteidigung zerstört werden könnten. Deswegen spielte die Ukraine in den vergangenen Monaten unter anderem auch öffentlich mit dem Gedanken, die Flugzeuge in Nato-Basen außerhalb der Ukraine zu stationieren. Sollte es Kiew gelingen, Russlands Luftverteidigung vor der Ankunft der F-16 entscheidend zu schwächen, könnten die Jets größere Wirkung entfalten.
Eine Einschätzung, die auch der Schweizer Rundfunk in einem Bericht aus dem Juni teilte. „Ein Ziel der Schläge gegen die russischen Radarsysteme bestehe darin, die Fähigkeit der russischen Truppen zu vermindern, die von den Ukrainern sehnsüchtig erwarteten F-16-Kampfflugzeuge zu erfassen und auf die Anlagen zu feuern“, sagte SRF-Ukraine-Korrespondentin Judith Huber. Die Radar- und dazugehörigen Luftabwehrsystem seien somit die wichtigsten Ziele für Kiews Streitkräfte.
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Gamechanger im Ukraine-Krieg? FPV-Drohnen sollen Weg für F-16-Kampfjets ebnen
Die Angriffe mit FPV-Drohnen durch den ukrainischen Militärgeheimdienst könnten ihren Beitrag zum Gesamterfolg leisten. Die kleinen, wendigen Flugkörper sind kostengünstig und schwer abzufangen. Damit eignen sie sich gut für unbemerkte Angriffe auf kleinere Stellungen oder Kommunikationsanlagen. Die Drohnenangriffe können dazu beitragen, die Überwachungsanlagen direkt zu beschädigen – aber auch die Kommunikation stören, um Angriffe von durchschlagskräftigeren ATACMS-Raketen vorzubereiten. Dem NZZ-Bericht zufolge, greift die Ukraine mit Drohnen unter anderem Woronesch-Radaranlagen an, die zur Früherkennung von Mittelstreckenraketen dienen.
Das ukrainische Portal Kyiv Post hatte Anfang Juli in einer Analyse darauf hingewiesen, dass der Schutz der F-16-Kampfjets von hoher Bedeutung im Ukraine-Krieg sei. Kiew müsse deshalb unter anderem auch spezielle Schutzbunker für die Flugzeuge anfertigen, um diese vor russischen Angriffen zu schützen. Der Fokus auf russische Radaranlagen an der Front durch die HUR-Spezialeinheit Firebird dürfte ihren Anteil am Schutz der Kampfflugzeuge leisten. (fd)
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