Ukraine-Krieg

Russland-Schlag bereitet Ukraine große F-16-Kampfjet-Sorgen

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Russland nimmt ukrainische Luftwaffenstützpunkte ins Visier und zerstört Kampfjets. Die Ukraine scheint Lehren ziehen zu müssen, um die F-16 Jets zu schützen.

Myrhorod – Der russische Angriff auf den ukrainischen Militärflugplatz Myrhorod hat der Ukraine einen Schlag versetzt. Mindestens einer der ukrainischen Sukhoi Su-27 Kampfjets soll bei dem Angriff mit einer russischen Iskander-Rakete zerstört worden sein. Wie viele Maschinen Russland tatsächlich zerstörte, kann nicht unabhängig überprüft werden. Moskau gab an, sechs Jets getroffen und zerstört zu haben, die Ukraine wies diese Zahl als „übertrieben“ zurück, räumte jedoch ein, dass es „Verluste gab“.

Die Truppen des russischen Präsidenten Wladimir Putin nehmen immer wieder ukrainische Militärflugplätze ins Visier. Ende Juni soll die ukrainische Luftwaffe einen russischen Angriff über der Stadt Starokostjantyniw in der Westukraine verhindert haben. Der gleichnamige ukrainische Luftwaffenstützpunkt nahe der Stadt ist seit Beginn des Ukraine-Krieges immer wieder unter russischem Beschuss.

Russische Angriffe auf Militärflugplätze in der Ukraine könnten für die angekündigten F-16 Jets eine Bedrohung darstellen (Archivbild)

Russische Angriffe auf Luftwaffenstützpunkte in der Ukraine: Gefahr für F-16?

Die Angriffe auf die Flugplätze sowie die Zerstörung von Militärflugzeugen wirkt sich nicht nur direkt auf den Ukraine-Krieg aus, sondern könnte auch zeigen, vor welcher Herausforderung die Ukraine angesichts der angekündigten F-16 Lieferungen steht.

Russische Drohne entdeckt Su-27-Kampfjets: „Sehr ernste Bedrohung“

Nach dem Angriff auf den Flugplatz Myrhorod in der zentralukrainischen Region Poltawa sollen laut Forbes-Bericht bereits ukrianische Blogger der Führung der Luftwaffe vorgeworfen haben, die Jets nicht ausreichend geschützt zu haben. Die geparkten Su-27 hatte Russland mit einer Drohne entdeckt und anschließend angegriffen.

Gegenüber Reuters erklärte der ehemalige Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Yuriy Ihnat, dass von den russischen Aufklärungsdrohnen eine „sehr ernste Bedrohung“ ausgehe.

Lehren aus russischen Angriffen auf Militärflugplatz der Ukraine

Aus den jüngsten Angriffen müsse die Ukraine Lehren ziehen, erklärten Christian Mölling und András Rácz in einer Analyse für das ZDF. Mölling ist Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin und Rácz Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der DGAP.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Der Analyse zufolge müsse die Ukraine zum einen ihre Luftverteidigung ausbauen, um russischen Angriffen vorbeugen zu können. Zum anderen müsse die ukrainische Luftwaffe Kampfflugzeuge, wie ihre „wertvollen“ Sukhoi Su-27 oder die F-16 weiter von der Front entfernt stationieren.

„Die dritte und wahrscheinlich wichtigste Lektion“, erklären Mölling und Rácz in der Analyse, sei die Tarnung sowie der Schutz der Flugzeuge. Diese Lehren müsse die Ukraine nun auch mit Blick auf die F-16-Lieferung umsetzen.

Ukraine bereitet sich auf F-16-Kampfjet-Lieferung vor: „Sicher unterbringen“

Die ersten F-16 Kampfjets sollen voraussichtlich noch im Sommer an die Ukraine geliefert werden. Bereits im Mai sprach der Sprecher der ukrainischen Luftwaffe Illia Yevlash laut einem Bericht von Defense Express von „Bemühungen, die F-16 sicher in der Ukraine unterzubringen“. Nach Angaben des Sprechers sei hierfür die Unterbringung auf verschiedenen Landebahnen sowie in unterirdischen Bunkern geplant.

Russland soll strategische Angriffe auf ukrainische Landebahnen durchführen

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters habe die Ukraine nicht bekannt gegeben, wo genau sie vorhaben, die F-16-Jets nach deren Eintreffen zu stationieren. Moskau soll jedoch nach eigenen Angaben Stützpunkte angegriffen haben, von denen Russland ausgeht, dass die F-16-Jets dort untergebracht werden könnten.

Nach Angaben von Militäranalysten gegenüber Reuters sollen die russischen Angriffe mutmaßlich auf die Infrastruktur wie Landebahnen und Lagereinrichtungen abzielen. Damit könne Moskau versuchen, den Abflug der Jets zu behindern. Ein Sprecher der ukrainischen Luftwaffe gab jedoch an, dass der Einsatz der F-16-Flieger nicht gefährdet sei.

Auch Kiew nimmt im Ukraine-Krieg russische Flugplätze ins Visier

Mit Blick auf die F-16-Lieferung erklären Mölling und Rácz in der ZDF-Analyse: „Man kann nur hoffen, dass die erforderlichen Befestigungsarbeiten auf den Luftwaffenstützpunkten, die die F-16 beherbergen werden, bereits abgeschlossen sind.“

Die Strategie, Luftwaffenstützpunkte zu beschießen, scheint jedoch auch die ukrainische Luftwaffe für sich zu nutzen. So zerstörte die Ukraine in der Vergangenheit bereits mehrere russische Kampfflugzeuge. Auch Russland hatte Kampfflugzeuge unter freiem Himmel geparkt. (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ardan Fuessmann