Lage an der Front

Ukraine an Ostfront stark in Bedrängnis – Klitschko fordert mehr Unterstützung

  • Sonja Thomaser
    VonSonja Thomaser
    schließen
  • Franziska Schwarz
    Franziska Schwarz
    schließen

An der Ostfront ist die Lage laut einem ukrainischen Kommandeur zunehmend „schwierig“. Der News-Ticker zum Ukraine-Krieg.

Dieser News-Ticker ist beendet. Alle weiteren Informationen zum Ukraine-Krieg finden Sie in unserem neuen News-Ticker.

Update vom 29. April, 5.20 Uhr: Angesichts anhaltender russischer Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew hat Bürgermeister Vitali Klitschko weitere internationale Unterstützung bei der Luftabwehr gefordert. „Wir haben ein Defizit an Luftabwehrsystemen“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Um Schäden durch herunterfallende Trümmerteile zu vermeiden, müsse der Radius erweitert werden. Drohnen und Raketen müssten bereits auf ihrem Weg in die Hauptstadt abgeschossen werden können.

Laut Klitschko wurden bei Luftangriffen auf Kiew in dem mehr als zwei Jahre andauernden Krieg bereits mehr als 800 Gebäude beschädigt und zerstört, darunter fast 440 Wohnhäuser. Zudem seien mehr als 200 Menschen getötet worden. Im vergangenen Jahr sei in Kiew mehr als 800-mal Luftalarm ausgelöst worden, sagte er.

Transparenzhinweis

Die hier verarbeiteten Informationen stammen von internationalen Medien und Nachrichtenagenturen, aber auch von den Kriegsparteien Ukraine und Russland. Die Angaben zum Krieg in der Ukraine lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Er sei Deutschland dankbar für das Iris-T-System, das sehr gut funktioniere, betonte Klitschko in den Funke-Zeitungen. Es gehe aber nicht nur um Kiew, „auch unsere Bürger in Odessa, in Dnipro oder Charkiw brauchen einen guten Schutz“. Die Bundesregierung hatte der Ukraine Mitte April die Lieferung eines dritten Patriot-Luftabwehrsystems in Aussicht gestellt. Dies dient der Bekämpfung von größeren Zielen in der Luft wie Flugzeugen, Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko.

Selenskyj: „Russland zum Frieden zwingen“

Update vom 28. April, 22.06 Uhr: In seiner Abendansprache wurde Wolodymyr Selenskyj beim Thema Frieden, und was er von der Welt erwartet, sehr direkt. Man könne und müsse Russland zu einem gerechten Frieden zwingen und dieser Weg könne im Juni beim Friedensgipfel beginnen, so der ukrainische Präsident: „Die Weltmehrheit muss Russland zum Frieden zwingen und kann es schaffen. Im Juni kann der Weg zu einem gerechten Frieden beginnen.“

Weiter sagte Selenskyj: „Sie alle eint die gleiche Erkenntnis, dass die UN-Charta und die grundlegenden internationalen Konventionen verbindliche Dokumente für jeden Staat der Welt sind, auch für einen Staat wie Russland, in dem der Wahnsinn herrscht.“

Ukraine und die USA bereiten bilaterales Sicherheitsabkommen vor

Update vom 28. April, 18.55 Uhr: Die Ukraine und die USA bereiten nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj ein bilaterales Sicherheitsabkommen vor. „Wir arbeiten bereits an einem konkreten Text“, sagte Selenskyj am Sonntag in seiner abendlichen Videoansprache. Ziel sei, daraus das stärkste aller Sicherheitsabkommen zu machen. Kiew hat in den vergangenen Monaten bereits eine Reihe von Sicherheitsabkommen mit verschiedenen europäischen Staaten geschlossen. Selenskyj machte keine Angaben dazu, wann das Sicherheitsabkommen zwischen Kiew und Washington unterzeichnet werden soll.

„Wir arbeiten auch an der Festlegung spezifischer Unterstützungsniveaus für dieses Jahr und für die nächsten zehn Jahre“, umriss Selenskyj das mit Washington geplante Abkommen. Dazu gehörten bewaffnete Unterstützung, finanzielle Unterstützung, politische Unterstützung sowie Unterstützung für die gemeinsame Waffenproduktion. „Das Abkommen sollte wirklich beispielhaft sein und die Stärke der amerikanischen Führung spiegeln.“

Die USA sind der bisher stärkste Unterstützer der Ukraine in ihrem Abwehrkrieg gegen Russland. Erst vor Kurzem hat der US-Senat ein Hilfspaket im Umfang von 57 Milliarden Euro gebilligt, das der bereits in schwere Bedrängnis geratenen ukrainischen Armee helfen soll. 

Update vom 28. April, 16.12 Uhr: Russland setzt die Ukraine an der Front weiterhin stark unter Druck, berichtet Ukrainska Pravda. Oleksandr Syrskyj, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, beschrieb die Lage in den Gebieten Pokrowsk und Kurachowe auf Telegram: „Der Feind hat in diesen Gebieten bis zu vier Brigaden eingesetzt und versucht, westlich von Awdijiwka und Marinka eine Offensive in Richtung Pokrowsk und Kurachowo zu starten.“

Zum Schutz vor russischen Angriffen sollen sich Einheiten nach Westen zurückgezogen haben. Obwohl Russland bislang keinen operativen Vorteil habe erzielen können, gesteht Syrskyj „gewisse taktische Erfolge“ zu. Auch in den südlichen Regionen Cherson und Saporischschja sei die Situation angespannt. Die Lage ändere sich aber teilweise mehrmals am Tag.

Lage an der Ostfront in der Ukraine verschlechtert sich weiter

Update vom 28. April, 13.51 Uhr: Die Lage an der Ostfront verschlechtert sich für Ukraine offenbar weiter: Russland hat nach eigenen Angaben ein weiteres Dorf im Osten der Ukraine eingenommen. Die russische Armee habe das Dorf Nowobachmutiwka bei der Stadt Awdijiwka „befreit“, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau heute mit.

Die Stadt Awdijiwka in der Region Donezk (Ostukraine) hatte Russland im Februar nach langen Kämpfen vollständig unter seine Kontrolle gebracht. Danach hatte die russische Armee weiter schnell an Boden gewonnen, während sich die ukrainische Armee aus Mangel an Munition und an Soldaten in der Defensive befindet.

Festnahmen im Ukraine-Krieg: Russische Polizei nimmt Band-Mitglieder wegen „Propaganda“ fest

Update vom 28. April, 13.09 Uhr: Russlands Behörden gehen seit Kriegsbeginn auch verstärkt gegen Kulturschaffende vor, die als regierungskritisch gelten. In Westrussland hat die Polizei jetzt drei Mitglieder einer bekannten Metal-Band wegen des Zeigens von „Nazi-Symbolen“ festgenommen. Die drei Mitglieder der Band Korrosija Metalla wurden demnach wegen „Propaganda“ gefasst.

Update vom 28. April, 11.43 Uhr: Die ukrainischen Zahlen zu Russlands Verlusten im Ukraine-Krieg lassen sich nicht unabhängig prüfen. Neue Angaben aus Großbritannien stützen die Aussagen aus Kiew aber. Demnach hat Russland seit Beginn der Gefechte schätzungsweise etwa 450.000 Soldaten in ihnen verloren. Das sagte jetzt der britische Außenpolitiker Leo Docherty, wie das UK Defence Journal berichtet.

Ukraine-News: Iran präsentiert neue Kamikaze-Drohne

Update vom 28. April, 10.25 Uhr: Die iranischen Revolutionsgarden haben heute eine neue Kamikaze-Drohne präsentiert. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim ist die neue iranische Drohne ähnlich wie die 2020 hergestellte russische Zala Lancet. Dementsprechend habe die noch unbenannte Drohne auch die gleichen Eigenschaften wie Zala Lancet. Tasnim veröffentlichte in dem Bericht auch ein Video von der neuen Drohne.

Der Iran hat eigenen Angaben nach in den letzten Jahren große Fortschritte bezüglich der Herstellung von Drohnen gemacht. Auch im Ukraine-Krieg nehmen iranischen Drohnen eine zentrale Rolle für die russischen Streitkräfte ein.

Update vom 28. April, 9.45 Uhr: Der ukrainische Generalstab hat aktuelle Zahlen zu Russlands Verlusten in den Gefechten bekannt gegeben. Demnach sind binnen eines Tages 1096 russische Soldaten entweder getötet oder verwundet worden. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Die Übersicht:

  • Soldaten: 466.150 (+1096 zum Vortag)
  • Panzer: 7279 (+11)
  • Flugzeuge: 348
  • Gepanzerte Fahrzeuge: 13.991 (+20)
  • Artilleriesysteme: 11.948 (+43) )
  • Drohnen: 9507 (+22)
  • Tanklastzüge und andere Fahrzeuge: 16.065 (+46)

News zum Krieg: Russland und die Ukraine beschießen einander mit Drohnen

Update vom 28. April, 9.14 Uhr: Russland hat eigenen Angaben zufolge in der Nacht in mehreren westlichen Regionen 17 ukrainische Drohnen abgeschossen. „Die Luftabwehrsysteme haben 17 ukrainische unbemannte Luftfahrzeuge abgefangen und zerstört“, erklärte das russische Verteidigungsministerium auf Telegram.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Neue Waffen für die Ukraine: Polen drängt Scholz auf Taurus-Freigabe

Erstmeldung: Kiew – Kanzler Olaf Scholz (SPD) lehnt es strikt ab, der Ukraine Taurus-Marschflugkörper zu liefern. Er befürchtet, dass Deutschland bei Bereitstellung der Raketen mit einer Reichweite von 500 Kilometern in den Krieg hineingezogen werden könnte.

Polens Außenminister Radosław Sikorski setzt nach der Lieferung weitreichender US-Raketen an die Ukraine darauf, dass Scholz doch noch seine Meinung ändert. „Ich hoffe, der Kanzler fühlt sich durch die Ereignisse der letzten Tage ermutigt“, sagte Sikorski in einem Interview der Bild am Sonntag.

Aktuelle Lage im Ukraine-Krieg: Polens Außenminister drängt auf Taurus-Lieferung aus Deutschland

Die Lieferung von US-ATACMS-Raketen an die Ukraine bezeichnete Sikorski als „Reaktion auf die russische Eskalation“ in der Ukraine, auf die auch Deutschland reagieren müsse. 

Derweil berichteten die russischen Streitkräfte, dass sie nach der Einnahme einzelner Ortschaften im Gebiet Donezk nun tief in die Verteidigung der ukrainischen Armee eingedrungen seien. Die Angaben waren nicht überprüfbar.

Allerdings hatten auch westliche Militärexperten den russischen Truppen zuletzt einzelne taktische Erfolge bescheinigt. Auch ukrainische Medien berichteten am Samstagabend, dass Russland etwa das Dorf Berdytschi erobert habe und sich auch in dem Ort Otscheretyne festsetze.

Der ukrainische Oberkommandierende Olexander Syrskyj bezeichnete die operativ-strategische Lage an der Front als schwierig. Die Situation habe die Tendenz, sich zu verschlechtern, teilte der Befehlshaber am Samstag auf Telegram mit.

Von zurückeroberten Gebieten bis zum derzeitigen Verlauf der Front: Unsere aktuellen Karten zum Frontverlauf in der Ukraine geben einen Einblick in die neuesten Entwicklungen im Krieg Russlands gegen die Ukraine. (Redaktion mit Material von Nachrichtenagenturen)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ruslan Kaniuka