Ukraine-Krieg

Bibbern vor F-16-Kampfjets: Ukraine bereitet Boden für Krim-Offensive gegen Russland vor

  • Paula Völkner
    VonPaula Völkner
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Die Ukraine greift russische Waffen auf der Krim an und trifft Russlands Luftabwehr. Analysten vermuten dahinter die Vorbereitung auf den F-16 Kampfjet-Einsatz.

Kiew – Immer wieder startet Russland Luftangriffe auf ukrainische Gebiete – mutmaßlich auch von der russisch besetzten Krim aus. Die Ukraine hat daher in jüngerer Vergangenheit russische Waffen auf der Halbinsel unter Beschuss genommen. Auf der Krim versucht die Ukraine die russische Luftwaffe zu schwächen.

Vor Lieferung der F-16-Kampfjets: Ukraine breitet Boden für Luftangriffe auf die Krim vor

Damit könnte sich das ukrainische Militär auch den Einsatz der F-16 Kampfjets im Ukraine-Krieg vorbereiten. Und Putins Angst vor den F-16-Kampfjets noch weiter steigen, da Russland in der Ukraine langsam die Zeit davon laufen könnte.

So lautet die Einschätzung des Analysten am Hague Center for Strategic Studies, Frederik Mertens. Gegenüber Business Insider sagte Mertens, er gehe davon aus, dass die Ukraine durch die gezielte Ausrichtung auf die Halbinsel und insbesondere russische bodengestützte Luftverteidigungssysteme „den Boden für künftige Luftangriffe nach der Ankunft von F-16-Kampfflugzeugen vorbereitet“.

Vor Ankunft der F-16-Kampfjets: Ukraine greift Russlands Luftverteidigungssysteme auf der Krim an

Auch das Institute for the Study of War (ISW) analysierte die ukrainischen Angriffe auf die russischen Luftverteidigungssysteme. In der Nacht auf den 12. Juni soll die Ukraine Angriffe gegen eine S-300-Luftverteidigungsbatterie und zwei S-400-Batterien in der Nähe der besetzten Siedlungen Belbek und Sewastopol auf der Krim durchgeführt haben.

Ein Kampfjet von Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe und ein Kampfjet des selben Typs der portugiesischen Luftwaffe fliegen über der Ostsee im litauischen Luftraum (Archivbild)

Putins Angst vor F-16-Kampfjets auf der Krim: Ukraine bringt Russland herbe Verluste auf der Krim bei

Bereits am 10. Juni hatte der Generalstab der Ukraine von Angriffen auf russische Luftverteidigungsanlagen berichtet. Laut ISW-Bericht würde dies durch geolokalisierte Bilder gestützt. Darauf sollen beschädigte und zerstörte russische S-300-Anlagen nördlich des besetzten Jewpatorija und ein zerstörtes russisches S-400-Radarsystem südlich des besetzten Dschankoi zu sehen sein.

Dass die Ukraine die Krim ins Visier nimmt, sei kein Zufall, erklärte Mertens gegenüber Business Insider. „Die Krim ist verwundbar. Die Russen haben auf der Halbinsel relativ begrenzten Manövrierraum.“ Russlands Präsident Wladimir Putin habe dort „sowohl politisch als auch militärisch viel zu verlieren“.

Putin will Krim vor F-16-Kampfjets schützen: Russland verlegt S-500-Luftverteidigungssystem

Das Schwarze Meer sei für die Ukraine vor der Krim vollständig zugänglich, sobald Russlands bodengestützte Luftverteidigung auf der Halbinsel ausgeschaltet wäre. So könne besonders dort „eine begrenzte Anzahl an Kämpfern wirklich etwas bewirken“, erklärte der Analyst.

Russland habe sein fortschrittlichstes S-500-Luftverteidigungssystem auf die Krim verlegt, heißt es in dem Bericht. Nach Einschätzung des ukrainischen Geheimdienstchefs, versuche Putin damit mutmaßlich die Region vor Kampfjets zu schützen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine könnte vor Lieferung der F-16-Kampfjets versuchen, Russlands Luftverteidigung „zu schwächen“

In der Analyse des ISW heißt es, die Ukraine könnte versuchen, die russische Luftverteidigung „zu schwächen, im Vorfeld der erwarteten Lieferungen von F-16-Kampfflugzeugen“. Die ukrainischen Streitkräfte würden dadurch anstreben, „Bedingungen für den Einsatz bemannter Starrflügler-Luftwaffen näher an den Frontgebieten zu schaffen“.

F-16 Lieferungen an die Ukraine: Dänemark will noch in Sommer 2024 Kampfjets liefern

Die Ukraine wartet bereits seit Monaten auf die Lieferung der F-16 Kampfjets aus dem Westen und Kiew betont immer wieder die Dringlichkeit der Lieferung. Eine internationale Kampfjet-Koalition, der unter anderem Belgien, Großbritannien, die Niederlande, Dänemark und Norwegen angehören, hat der Ukraine die Lieferung der Kampfflugzeuge bereits im vergangenen Jahr zugesagt. Zu diesem Zweck werden ukrainische Piloten in EU-Staaten ausgebildet.

Dänemark will als erster Staat der Ukraine 19 F-16-Jets bereits in den Sommermonaten liefern. Auch Belgien kündigte die Lieferung der Kampfflugzeuge noch für dieses Jahr an. Die niederländische Verteidigungsministerin sagte zuletzt gegenüber European Pravda, dass die ersten der insgesamt 24 zugesagten Kampfjets aus den Niederlanden bereits im Sommer in der Ukraine eintreffen sollen. (pav)

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