Ukraine-Krieg

F-16-Kampfjet-Lieferungen in die Ukraine: Russlands Angriffe „eine sehr ernste Bedrohung“

  • VonHelmi Krappitz
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Der Westen hat der Ukraine F-16-Kampfjets zugesagt, die Lieferung verzögert sich. Ein Militärexperte sieht den Grund bei russischen Angriffen.

Kiew – Die Zusage von westlichen F-16-Kampfjets für die ukrainische Luftwaffe war ein Lichtblick im andauernden Ukraine-Krieg. Diesen Sommer soll die Ukraine die Mehrzweckkampfflugzeuge erhalten. Während Russland die Angriffe auf ukrainische Militärflugplätze verstärkt, verzögert sich die Lieferung der F-16 – aus logistischen Gründen.

F-16-Kampfjets für den Ukraine-Krieg: Putin verzögert Lieferung durch Russlands Angriffe

Nicht nur die Ukraine bereitet sich für die F-16-Lieferung vor, sondern auch Wladimir Putin. Am 1. Juli soll Russland mehrere ukrainische Kampfjets zerstört haben – kurz darauf folgten weitere Angriffe auf die ukrainische Luftwaffe. Das Vorgehen Russlands wirkt sich nicht nur auf den Krieg aus, sondern bringt Herausforderungen für die bevorstehende Lieferung.

Die Verzögerung der F-16-Lieferung liege nämlich nicht an Lieferengpässe oder fehlenden Piloten, sondern der kritischen Vorbereitung. Das werde aktuell durch russische Angriffe verkompliziert. Das sei „der wesentliche Faktor, wieso es zu laufenden Verzögerungen von Lieferungen der F-16 kommt“, erklärte Markus Reisner, Oberst des österreichischen Bundesheers, gegenüber ntv. Die Ukraine müsse sich erst den logistischen Problemen stellen, damit die Kampfjets auch möglichst lange „überleben.“

Auch Dänemark liefert F-16-Flugzeuge an die Ukraine.

„Massiver Prestigeverlust“: Ukraine muss vorbereitet sein, damit Russland F-16-Kampfjets nicht sofort zerstört

Während Russland auf eigener Seite immer wieder ein Kampfjet-Debakel erleidet, steht aber auch Kiew vor einem Problem im Ukraine-Krieg. Die Kampfflugzeuge brauchen „nicht nur eine Basis, sondern sie brauchen mehrere Basen. Damit diese F-16 rotieren können und immer vor russischen Aufklärungsmittel verborgen bleiben“, erklärte der Militärexperte über die Strategie nach der Lieferung der F-16-Kampfjets weiter. Die Angriffe Russlands auf Stellungen der Ukraine haben gezeigt, dass Putins Truppen auch tief hinter der Front wirken können. Der ehemalige Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Yuriy Ihnat, erklärte gegenüber Reuters, dass von den russischen Aufklärungsdrohnen eine „sehr ernste Bedrohung“ ausgehe.

Der Kreml könne auch verfolgen, ob Aktivitäten auf Flugplätzen der Vorbereitung der F-16 dienen. „Es wäre ein massiver Prestigeverlust, wenn die ersten F-16 in das Land kommen würden und die Russen es schon vor dem Einsatz schaffen würden, tatsächlich einige dieser F-16 mit weitreichenden Raketen zu zerstören“, betonte Reisner. Deswegen müsse man viel Zeit in die Logistik investieren.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Katz-und-Maus-Spiel“: Ukraine braucht sichere Strategie F-16-Kampfjets vor Russland zu verbergen

Die vorzeitige Zerstörung der Kampfflugzeuge gelte es zu vermeiden. „Es kann also nur im Interesse des Westens sein, dass der erste Einsatz der F-16 so gut wie möglich vorbereitet ist“, so Reisner. Wo die Ukraine genau vorhat, die F-16 zu stationieren, hat Kiew laut eines Reuters-Berichts nicht bekannt gegeben. Vermutlich aus strategischen Gründen.

Die Flugzeuge müssen vor Russland versteckt werden, so Reisner. Es müsse dezentrale Flugplätze geben, damit die F-16 nicht an denselben Orten starten und landen. Gleichzeitig brauche es Flugzeugbunker, damit die Jets aus der Luft schwerer zu sehen und schwerer anzugreifen seien. Der Neubau sei teuer. Zwar gebe es genügend alte Sowjetbunker, die sind Russland aber bekannt. Diese Details muss die ukrainische Luftwaffe nun prüfen. Der Militärexperte brachte es auf den Punkt: Es ist ein „Katz-und-Maus-Spiel“ zwischen ukrainischen und russischen Streitkräften. (hk)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Boris Roessler