Hitze, Dürre, Überschwemmungen
Wetterextreme treffen Europa: So schlimm wird es in Deutschland
VonMichaela Ebertschließen
Extremes Wetter scheint in Europa immer häufiger zu werden: Handelt es sich dabei wirklich um Folgen des Klimawandels – und könnte es in Zukunft auch Deutschland härter treffen? Ein Meteorologe gibt eine Einschätzung.
Ohne den Menschen wären Temperaturen, wie sie derzeit in Europa herrschen, wohl kaum möglich. Das geht aus einem Bericht der „Initiative World Weather Attribution“ hervor. Sengende Hitze, anhaltende Dürre und Unwetter von zerstörerischer Kraft: Derartige Wetterextreme werden häufig auch als Folgen der globalen Klimakrise betrachtet.
Doch besteht tatsächlich ein Zusammenhang? Und könnten derartige Umweltkatastrophen auch in naher Zukunft Deutschland treffen? Wetter-Experte Jörg Kachelmann hat dazu bereits eine klare Meinung. Nun äußert sich auch Jürgen Schmidt, Diplom-Meteorologe und Geschäftsführer von „WetterKontor“ gegenüber echo24.de.
Extreme Hitze im Mittelmeerraum: Temperaturrekord seit 2021 bei 48,8 Grad
„Die extreme Hitze wird wohl mit fortschreitender Klimaerwärmung in den kommenden Sommern am Mittelmeer häufiger zu einem Problem werden“, erklärt Schmidt. Auch wenn der Temperatur-Rekord aus dem Jahr 2021 in diesem Jahr „mit 48,8 Grad auf Sizilien wohl nicht gebrochen“ wurde, hatte das extreme Wetter in den vergangenen Wochen dramatische Folgen für den Mittelmeerraum.
Schuld haben dort jedoch nicht die hohen Temperaturen, sondern vielmehr der ausbleibende Regen: „Die Waldbrände sind ein bekanntes Phänomen in den Ländern in Südeuropa, sie kommen in jedem Sommer vor, eben weil es grundsätzlich im Sommer rund um das Mittelmeer wenig oder gar nicht regnet. Verantwortlich für die Brände ist aber nicht die Hitze, sondern die Trockenheit.“
Überschwemmungen im Alpenraum – Flächenbrände in Griechenland: Extremwetter hat Europa im Griff
Während also beliebte Urlaubsgebiete in Griechenland, Spanien und der Türkei den Flammen zum Opfer fielen, hörte es anderswo scheinbar überhaupt nicht mehr auf zu regnen. „Obwohl Unwetter in Oberitalien und in den Alpen tatsächlich jetzt nicht so ungewöhnlich sind und immer mal wieder regional auftreten“, habe der Meteorologe selbst „so eine Vielzahl extremer Hagelunwetter in kurzer Zeit“ noch nicht erlebt.
Überschwemmungen und Hitze: So extrem war der Sommer 2023 – Bilder zeigen Ausmaß




Im Gegensatz zu den Waldbränden könnten sie jedoch als unmittelbare Folge der globalen Klimaerwärmung gewertete werden: „Die Unwetter mit Hagel in Norditalien, in den Alpen und auf dem Balkan entstanden im Randbereich zwischen der extrem heißen Luft über dem Mittelmeer und der kühleren Luft bei uns und über Westeuropa“, schildert der Experte.
Häufigere und heftigere Unwetter durch Klimaerwärmung – Hochwassergefahr steigt
Da erhitzte Luft – gemäß den Gesetzen der Physik – mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, kann es in Zukunft auch zu mehr Niederschlag kommen. Vor allem im Winter steigt dann aufgrund der länger anhaltenden Regenphasen die Gefahr von Hochwassern an Flüssen. Gefährlich würde es laut dem Meteorologen vor allem dann, „wenn die Winterniederschläge dauerhaft niedriger ausfallen würden, weil sich dann die Grundwasserspeicher nicht mehr richtig füllen können.“
„Gleichzeitig können aber im Sommer auch längere Trockenphasen auftreten, mit Dürregefahr. Bei später folgenden Gewitterschauern kann dann der Regen erst einmal schwer in den trockenen Boden eindringen. Leider treten eben im Sommerhalbjahr häufig kräftige Regengüsse aus Schauern und Gewittern auf […]. Sommerliche Gewitter können in Zukunft auch mit noch größerem Hagel oder noch größere Regenmengen auftreten, als das jetzt schon häufiger der Fall ist. Deswegen ist die Starkregen-Vorsorge wichtig“, so Schmidt. Zuletzt haben heftige Regenmassen zu Überschwemmungen in Slowenien und Österreich geführt.
„Von Unwetterbildern weltweit nur so überflutet“ – Soziale Medien verstärken den Effekt
Einige Regionen haben deshalb in Deutschland bereits Vorkehrungen getroffen – andere befinden sich derzeit noch in der Planungsphase. Wie der Landkreis Heilbronn mit Schutzkonzepten gegen Extremwetter vorgehen will, berichtete echo24.de bereits. Laut Schmidt könnten besonders Hitze und längere Hitzewellen auch hierzulande zum Problem werden: „Bis auf die Hochlagen der Mittelgebirge oder die Inseln in Nord- und Ostsee kann das alle Regionen in Deutschland treffen.“
Und das sogar früher als gedacht. „Dieses Tempo des Temperaturanstiegs mit immer neuen Rekorden weltweit macht einem schon Sorge.“ Zudem nehme die Zahl der Unwetter dadurch gefühlt zu – auch, wenn sich derartige Meldungen in den Sozialen Medien sicherlich schneller bekannt werden. „In der ‚Vor-Smartphone-Zeit‘ wurden deutlich weniger Unwetterbilder verbreitet. Heute wird man von Unwetterbildern weltweit nur so überflutet.“
Rubriklistenbild: © Imago / Collage echo24.de

