Polarwirbel-Split deutet sich an

„Arctic Outbreak“ droht: Wann polare Luftmassen Deutschland fluten

  • Michaela Ebert
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Die Wetterlage bis Weihnachten scheint sich zuzuspitzen: Meteorologen kündigen bereits einen Polarwirbel-Split an. Deutschland könnte dann mit polaren Luftmassen geflutet werden.

Brrrrrrrhh – ist das kalt geworden. In Deutschland hat sich der Winter eingeschlichen. Pünktlich zum ersten Advent, der gleichzeitig auf den meteorologischen Start in die kalte Jahreszeit fiel, zeigten die Thermometer in vielen Regionen Tiefstwerte unter null Grad. In Zwiesel in Bayern etwa wurden in der Nacht auf Montag (2. Dezember) minus acht Grad gemessen! Aus diesem Grund mussten viele Autofahrer in den südlichen Regionen Deutschlands am Morgen besonders vorsichtig unterwegs sein – nahezu flächendeckend galten amtliche Warnungen vor Glätte und Frost.

Doch ist das nur ein Vorgeschmack darauf, was uns in den kommenden Wochen erwartet? Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Portal „wetter.net“ kündigt bereits jetzt an: Ab dem zweiten Advent könnten Frau Holle und Väterchen Frost richtig Vollgas geben. Bis zu 30 Zentimeter Schnee sind in der Weihnachtszeit dann möglich.

Winter gibt im Dezember Vollgas: „Arctic Outbreak“ droht – polare Luftmassen strömen nach Deutschland

Grund für diese Annahme ist ein blockierendes Atlantik-Hoch, das aktuell vom GFS-Wettermodell der NOAA (amerikanischer Wetterdienst) der kommenden Woche (Dienstag, 10. Dezember) berechnet wird. Durch die wärmeren Luftmassen, die sich kurz vor den Britischen Inseln über dem Atlantik befinden sollen, wird der Zugang für weitere Tiefs aus westlicher Richtung blockiert.

Stattdessen macht das Blockade-Hoch den Weg für eisige Luftmassen aus dem Norden. Polare Tiefs könnten Deutschland somit förmlich fluten. Wetter-Experten bezeichnen ein solches Szenario auch als „Arctic Outbreak“ oder Polarwirbel- Split.

Der Polarwirbel: Winterbringer oder Winterkiller

Als Polarwirbel wird ein riesiges Luftdrucksystem über den polaren Regionen der Erde. Ist der Polarwirbel im Winter stark ausgeprägt, so wirkt dies verstärkend auf den Jetstream. Dann überwiegen milde Westwinde in Mitteleuropa. Bei schwachem Polarwirbel schlingert der Jetstream – der Polarwirbel kann gestört werden, polare Luftmassen spalten sich ab (“Split“): Dann sind heftige Kälteeinbrüche in Deutschland möglich.

Besonders in den höheren Lagen, aber auch schon im Mittelgebirge könnte dann einiges an Schnee fallen, prognostiziert Jung in seiner aktuellen Wetter-Analyse. Ab 300 bis 400 Meter sind 20 bis 30 Zentimeter möglich. Die Temperaturen würden zudem tagsüber kaum noch über den Gefrierpunkt klettern, nachts bliebe es bei bis zu 15 Grad unter null.

Gerade Wintersport-Fans dürfte das freuen: Schließlich dürfte die Schneedecke der Berechnung zufolge in den Ski-Regionen liegenblieben. Autofahrer hingegen sollten vorsichtig sein: Bereits im November hatte der kurze, aber heftige Wintereinbruch viele Fahrer überrascht und für über 200 Unfälle allein in Baden-Württemberg gesorgt.

Weiße Weihnachten 2024? Dank „Arctic Outbreak“ viel Schnee in der Adventszeit möglich

Die winterliche Wetterlage könnte sich dieses Mal jedoch durch die gesamte zweite Adventshälfte ziehen, wenn man die aktuellen Berechnungen Glauben schenken mag. Weiße Weihnachten wären damit gar nicht mal so unwahrscheinlich, auch wenn die Temperaturkurve bereits vor dem Fest wieder etwas nach oben zeigt.

Auch der 100-jährige Kalender hatte bereits Ähnliches für die Weihnachtszeit vorhergesagt. Anders als bei den meteorologischen Wetterberechnungen handelt es sich bei dem sogenannten Bauernkalender jedoch ausschließlich um die Erfahrungen der Bauern und Menschen der letzten Jahrhunderte. Dennoch sind sie aufschlussreich für die Entwicklung der Wettertrends.

Kündigt sich ein Polarwirbel-Split an, ist auch Schnee in Heilbronn wahrscheinlich.

Auch die Langfristmodelle der Meteorologen können sich bis zum Weihnachtsfest noch verändern. Bisher sagen sie aber noch eine wahre Achterbahnfahrt der Temperaturen vorher. Denn bevor die arktischen Luftmassen auf Deutschland treffen sollen, muss noch ein echter „Wärmeberg“ gemeistert werden.

In der Woche zwischen dem ersten und dem zweiten Advent sind frühlingshafte Temperaturwerte von bis zu 14 Grad in Baden-Württemberg möglich. Erst ab dem Sonntag (8. Dezember) muss mit dem drastischen Wettersturz gerechnet werden.

Rubriklistenbild: © Wolfgang Zwanzger/imago-images