Eigentlich schade

Die Falken sind eine Spitzenmannschaft - und kaum jemanden interessiert es

  • Marc Thorwartl
    VonMarc Thorwartl
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Die Unterländer Kufenjäger sind nahezu bei allen Ligawerten top - nur nicht in der Zuschauerbilanz.

Zu feiern gibt es bei den Falken-Fans jede Menge - jetzt sollte die Eishockey-Euphorie auch auf andere Heilbronner überspringen.

Presseraum der Heilbronner Falken nach dem 3:2-Erfolg über die Dresdner Eislöwen. Falken-Trainer Alexander Mellitzer hat gerade seine Analyse der Partie beendet, da greift er nochmals zum Mikrofon und wendet sich mit einem eindringlichen Appell an die Sprade-TV-Zuschauer: "Bitte kommt zu den Spielen - wir spielen ein cooles Hockey."

In der Tat ist es nur schwer zu verstehen, was sich derzeit in der Kolbenschmidt-Arena abspielt. Auf der einen Seite sind die Heilbronner Falken, die seit dem katastrophalen Saisonstart-Wochenende nicht eine Partie mehr daheim verloren und insgesamt 18 von 21 möglichen Punkten geholt haben. Und das mit teilweise begeisterndem Eishockey, wie man es in der Käthchenstadt seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Heilbronner Falken mit Ligabestwerten

Powerplay, Unterzahl, Topscorer und Top-Torschütze - in fast allen Eishockey-Statistiken stellen die Heilbronner Falken den Bestwert der Liga - nur nicht bei den Zuschauern. Gegen Dresden kamen zwar mehr als in den Partien zuvor, doch angesichts des Tabellenstands sind 1.813 Fans kein Ruhmesblatt. Aktuell sind zu den sieben Heimspielen im Schnitt 1.675 Besucher gepilgert - nur das Tabellenschlusslicht Bayreuth hat 26 weniger.

Dylan Wruck ist derzeit der Topscorer der DEL2.

Natürlich wird kommende Woche der Schnitt einen Sprung in die Höhe machen. Schließlich findet am Sonntag das Derby gegen den Erzrivalen aus Bietigheim statt. Seit zwei Wochen sind die Sitzplatzkarten vergriffen, für die Stehplätze sind nur noch geringe Restkontingente erhältlich. Gut möglich, dass das Schild "Ausverkauft" an der Tür hängt und 3.800 Zuschauer die Kolbenschmidt-Arena in ein Tollhaus verwandeln. Aber es müsste doch möglich sein, dass in der selbsternannten Sportstadt Heilbronn mit 120.000 Einwohnern kontinuierlich mehr als 2.000 Besucher zu den Spielen pilgern. Die Mannschaft hätte es verdient.

Falken bilden auf dem Eis ein Team

Denn auch beim 3:2-Erfolg über Dresden präsentierte sich eine Einheit auf dem Eis, ohne die diese Leistung nicht möglich gewesen wäre. Statt Vorwürfen, wenn ein Spieler ein Gegentor verschuldet, gibt es von den Kameraden aufbauende Worte. Wenn ein Verteidiger sich ins Angriffsspiel einschaltet, übernimmt ein Stürmer seine Defensivaufgaben. Eigene Scorerbilanzen sind den Spielern egal: Sie alle suchen stets den besser postierten Nebenmann.

Stars von morgen: Junge Talente wie Yannik Valenti spielen bei den Falken.

Und damit das so bleibt, wird nichts dem Zufall überlassen. Morgen müssen die Heilbronner Falken zum Spiel in der Lausitz antreten. Fast 600 Kilometer Wegstrecke einfach. Die Mannschaft muss diese Distanz nicht am Sonntag zurücklegen. Kurzfristig hat das Management den Abreisetag auf heute vorverlegt, in der Nähe von Weißwasser ein Hotel für die Spieler organisiert. Sie sollen bestmögliche Voraussetzungen bekommen und ihre Siegesserie fortzusetzen. Mit einem positiven Nebeneffekt: Das Teambuilding wird durch solche Aktionen noch stärker gefördert. Und das könnten die Fans zukünftig doch stärker honorieren? Hoffentlich! Also, nichts wie hin zu den Heimspielen der Falken.

Heilbronner Falken machen Werbung in eigener Sache

Um neue Zuschauer zu generieren, haben die Heilbronner Falken eine Marketing-Offensive gestartet. Am Samstag haben sie sich sozial im Heilbronner Tierheim engagiert, am Dienstag waren die Falken-Spieler Alex Nikiforuk und Corey Mapes Teil einer tollen Freikarten-Aktion. Und am Samstag, 14. Dezember, werden einige der Profis um 15.30 Uhr ein Showtraining auf der Kunsteisbahn in Bad Rappenau plus Autogrammstunde abhalten.

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