Arbeiten bis zum Umfallen?

Später in Rente – früherer Tod? Neue Studie zeigt Folgen für die Gesundheit

  • VonMilea Erzinger
    schließen

Eine neue Studie zeigt, dass ein späterer Renteneintritt unser Sterberisiko erhöhen kann. Was Arbeitnehmer wissen sollten.

In den letzten Monaten gab es viele Debatten in der Politik über eine Anhebung des Rentenalters. Die Diskussion um diese Anhebung ist in vollem Gange. Einige Politiker und Arbeitgeber fordern, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Das würde bedeuten, dass wir für jedes Jahr, das wir länger leben, auch länger arbeiten müssten. Der Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger will die Frührente abschaffen und das Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre anheben. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass ein erhöhtes Renteneintrittsalter unser Leben verkürzen könnte.

Neue Studie zeigt: So wirkt sich das Renteneintrittsalter auf das Sterberisiko aus

Die „OECD“ (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sagt, dass bis 2050 die Anzahl der Rentner im Vergleich zu den Arbeitenden um 50 Prozent steigen soll. Um die steigenden Kosten zu decken, wollen viele Länder das Rentenalter erhöhen. Die Idee dahinter ist, dass wir länger arbeiten, mehr in die Rentenkasse einzahlen und später erst in Rente gehen. In Deutschland ist die „Rente mit 63“ ist bereits so gut wie Geschichte.

Ein höheres Eintrittsalter für Rentner scheint angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung die einzige Lösung zu sein. Doch eine neue Studie zeigt, dass das auch seine Schattenseiten hat. Ein Team von Wissenschaftlern aus Deutschland und Spanien hat herausgefunden, dass Menschen, die später in Rente gehen, oft früher sterben.

Späte Rente, früher Tod: Neue Studie zeigt Risiken eines späteren Renteneintritts

Forscher der Universitäten in Barcelona und Mannheim haben Daten aus Spanien untersucht. Dort wurde bereits 1967 das Rentenalter von 60 auf 65 Jahre angehoben. Das Ergebnis: Wer später in Rente geht, hat ein höheres Risiko, früher zu sterben. Han Ye von der Universität Mannheim sagt, dass ein Jahr länger zu arbeiten, das Sterberisiko zwischen 60 und 69 Jahren um 4,2 Prozentpunkte erhöht. Das entspricht einem relativen Anstieg von 43 Prozent.

Vor allem Leute in gefährlichen Jobs wie dem Bauwesen oder dem Handwerk und solche, die viel Stress im Beruf haben, sind stark betroffen. Für sie bedeutet ein späteres Rentenalter gleichzeitig ein höheres Risiko, früher zu sterben. Diese Erkenntnisse sind auch für Deutschland relevant, sagen die Forscher. In Deutschland ist es für bestimmte Berufsgruppen möglich, entsprechend früher in Rente zu gehen.

echo24.de berichtet, welche Jahrgänge generell vor 67 Jahren in Rente dürfen. Unter bestimmten Bedingungen ist auch ein früherer Renteneintritt unabhängig der Berufsgruppe möglich.

Wann in Rente? Erfolgsstrategien und Tücken des späteren Arbeitslebens

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Für Menschen mit höherer Bildung und in Jobs, die ihnen Freude und Anerkennung bringen, kann es positiv sein, länger zu arbeiten. Sie sind oft fitter im Kopf und haben kein höheres Sterberisiko. Wie die deutsch-spanische Studie herausfand, seien besonders Erfolgsmomente ein Grund dafür, dass sich das höhere Sterbensrisiko trotz längerer Arbeitszeit nicht negativ auswirkt. Dennoch seien andere Altersgruppen umso mehr bedroht.

Eine neue Studie zeigt, dass ein späteres Renteneintrittsalter massive Auswirkungen auf unseren Gesundheitszustand haben kann.

Ein pauschales späteres Rentenalter ist also nicht für alle gut. Die Forscher der Studie schlagen vor, dass flexiblere Übergänge in den Ruhestand daher von Vorteil wären. In Spanien haben viele Menschen zunächst eine Teilrente beantragt und dadurch länger und gesünder gelebt. Han Ye empfiehlt, dass die Politik solche Modelle fördern sollte.

Altersteilzeit und eine bessere Gesundheitsvorsorge könnten helfen, die negativen Auswirkungen abzumildern. Welche Jobs sich negativ auf die Rente im Ruhestand auswirken können, berichtet echo24.de.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Mehr zum Thema