Gründe sind vielfältig
Erwerbsminderungsrente nicht bewilligt: Warum der Antrag abgelehnt werden kann
VonAdrian Kilbschließen
Vor allem bei der Erwerbsminderungsrente wurde fast die Hälfte der Anträge abgelehnt. Das sind die häufigsten Gründe für negative Bescheide.
Sein ganzes Leben hart arbeiten und dann in die wohlverdiente Rente gehen: Nicht immer geht der Plan. Unfälle oder Krankheiten können einen aus der Bahn werfen und dazu führen, dass man seinen Job nur noch eingeschränkt oder sogar gar nicht mehr ausüben kann. Für solche Fälle gibt es in Deutschland die Erwerbsminderungsrente, welche das Einkommen ergänzt oder ersetzt. Um diese zu bekommen, müssen Betroffene allerdings zuerst einen Antrag an die Deutsche Rentenversicherung (DRV) stellen.
Allerdings ist selbst dann der Erhalt der Erwerbsminderungsrente kein Selbstläufer. Denn der Rentenantrag kann die DRV unter bestimmten Punkten ablehnen. Nach einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung für das Jahr 2022 sei knapp jeder zweite Antrag nicht bewilligt worden. Dafür lagen vor allem drei Gründe vor:
- Verminderte Erwerbstätigkeit liegt nicht vor
- Mindestwartezeit nicht erfüllt
- „Mangelnde Mitwirkung“ von Betroffenen
Abgelehnter Antrag auf Erwerbsminderungsrente – das ist der häufigste Grund
Den Antrag auf eine Erwerbsminderungsrente lehnt die Deutsche Rentenversicherung nach eigenen Angaben schlicht deswegen oftmals ab, weil bei den Antragsstellern „keine verminderte Erwerbstätigkeit“ vorliege. Bei knapp 100.000 der insgesamt 142.208 abgelehnten Anträge sei das der Grund für einen negativen Bescheid gewesen.
Einen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente haben Betroffene in dem Fall, wenn sie wegen eines Unfalls oder einer Krankheit ihrer Beschäftigung nicht mehr oder nur noch eingeschränkt nachgehen können. Der eigene Arzt und ein Amtsarzt müssen das in einem Gutachten bestätigen.
Mindestwartezeit und „mangelnde Mitwirkung“: Darum lehnte Deutsche Rentenversicherung Anträge ab
26.554 der Rentenanträge lehnte die Deutsche Rentenversicherung zudem ab, weil die Mindestwartezeit von fünf Jahren, die sogenannte allgemeine Wartezeit, nicht erfüllt wurde. Voraussetzung, um die Rente zu erhalten, ist, dass die Arbeitnehmer fünf Jahre lang in Form von Pflichtbeiträgen in die Rentenkasse eingezahlt haben.
In weiteren 16.862 Fällen gibt die DRV eine „mangelnde Mitwirkung“ der Betroffenen an. Nach Angaben des Sozialverbandes Deutschland fallen unter diese Rubrik all jene Fälle, in denen der Antragsteller nicht dem nachgekommen ist, was von ihm verlangt wird. Beispielsweise, wenn er einen Termin beim Gutachter versäumt.
So berechnet sich die Höhe der Erwerbsminderungsrente
Die Höhe der Erwerbsminderungsrente berechnet sich aus den bisher eingezahlten Beiträgen und der sogenannten Zurechnungszeit. Für einige Erwerbsgeminderte ist im Juli die Rente gestiegen. Generell werden sie für diese so gestellt, als hätten sie weiterhin den Durchschnitt der bisher gezahlten Beträge bis zur Regelaltersgrenze eingezahlt.
Wenn ein Rentenantrag aus welchem Grund auch immer abgelehnt wurde, müssen Betroffene nicht verzagen. Sie können sich dagegen wehren und einen Widerspruch einlegen – dürfen aber eine bestimmte Frist nicht verpassen.
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