Eines sollen sie vermeiden

Gegen Russlands Luftangriffe: F-16 der Ukraine haben vorerst eine Aufgabe

  • Patrick Mayer
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Die ersten F-16-Kampfjets der Ukraine sind wohl schon im Einsatz. Gegen die russische Armee von Wladimir Putin sollen sie eines vermeiden.

Kiew - Diese Zahlen dürften weder Kiew noch der Nato gefallen: Die Ukraine muss im Krieg herbe Panzer-Verluste einstecken, und zwar unter den Modellen, die die Verteidigungsallianz seit Frühjahr 2023 geliefert hatte.

F-16-Kampfjets der Ukraine: Einsatz gegen Russland in der Luftabwehr

Was Kiew und die Nato umso mehr erleichtert: Die ersten F-16-Kampfjets des Militärbündnisses haben die Ukraine erreicht, um dabei zu helfen, das geschundenen Land gegen die völkerrechtswidrigen Angriffe aus Russland zu verteidigen. Konkret: Wie die britische Times schreibt, sollen die ersten sechs F-16 aus den Niederlanden eingetroffen sein.

Aber: Da es noch recht wenige der in den USA gebauten Kampfflugzeuge aus den 1980er Jahren sind, sollen sie im Ukraine-Krieg anfangs noch in recht begrenztem Umfang in Einsatz kommen. Und zwar, nach einem klar festgelegten Einsatzszenario. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten zu den aufsehenerregenden Waffen-Lieferungen hervor.

F-16-Kampfjets von der Nato: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (li.) und der belgische Premierminister Alexander De Croo besprechen sich vor einem der Flugzeuge.

Zur Verteidigung gegen Russland: Erste F-16-Kampfjets der Ukraine in der Luft

Wie etwa der britische The Telegraph am Donnerstag (1. August) berichtete, kamen die ersten F-16 sogar bereits zu Kampfeinsätzen gegen die Russen. Sie seien demnach zum Zwecke der Luftverteidigung eingesetzt worden. Ein Vertreter der ukrainischen Luftstreitkräfte habe dies gegenüber der Tageszeitung aus Großbritannien nicht dementiert, heißt es in dem Bericht. Und weiter: Die ukrainischen Kampfpiloten würden sich in ihren neuen, alten Flugzeugen erstmal vorantasten. Heißt, austarieren, was in der Luft möglich ist, und was sie besser bleiben lassen.

Die Washington Post schreibt, dass die noch überschaubare Anzahl an F-16-Kampfflugzeugen die Aufgabe habe, die Luftabwehr gegen die heimtückischen Pläne des Kreml-Regimes von Wladimir Putin zu verstärken. Ergo: Russische Kampfjets wie die MiG-29, MiG-35 und Su-27 sollen davon abgehalten werden, tief in ukrainischen Luftraum zu fliegen, um dann ihre Ziele ins Visier zu nehmen.

Auch können die F-16 laut des Berichts gegen feindliche Drohnen und sogar gegen größere Raketen vorgehen. Mit welchen eigenen Raketen und Lenkwaffen, das ist bislang nicht bekannt. Theoretisch kann die in Deutschland produzierte IRIS-T von F-16-Kampfflugzeugen aus abgefeuert werden.

F-16 Fighting Falcon
Beiname:Viper
Waffentyp:Mehrzweckkampfflugzeug
Indienststellung:17. August 1978
Hersteller:Lockheed Martin aus Maryland (seit 1993)
Länge / Spannweite:14,52 m / 9,45 m
maximale Startmasse (mit Raketen):12,7 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit:2007 km/h

F-16-Kampfflugzeuge von der Nato: Sie sollen die Luftabwehr der Ukraine stärken

Und theoretisch kann dieser Flugkörper des deutschen Rüstungskonzerns Diehl Defence angreifende Luft-Luft- und Boden-Luft-Raketen von feindlicher Flugabwehr bekämpfen. Weder Kiew noch Berlin haben jedoch öffentlich kommuniziert, ob die IRIS-T – die sich in der Luftabwehr vom Boden aus bewährt haben – auch für die Missionen an den F-16 vorgesehen sind. Die Raketen haben eine Reichweite von 25 Kilometern, die Gefahr, dass sie in russischen Luftraum eintreten könnten, dürfte somit sehr gering sein.

Dies war schließlich die Argumentation, warum Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Taurus-Marschflugkörper nicht freigegeben hatte. Laut Washington Post sollen die wenigen Kampfflugzeuge, die die Nato bislang übergeben hat, indes keinesfalls russische Truppen direkt an der Front angreifen. Zu groß ist die Gefahr, von der russischen Flugabwehr ins Visier genommen zu werden. Während Russland die Standorte der F-16-Kampfjets ausspionieren lässt, ließ Moskau zudem sein modernstes Luftabwehrsystem S-350 Witjas an die Ukraine-Front verlegen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Gefahr für F-16-Kampfjets: Russische Luftabwehr macht Ukraine und Nato Sorgen

Die Washington Post warnt in ihrem Bericht exemplarisch, es gebe in den besetzten Gebieten und in Frontnähe zu viele russische Luftabwehrsysteme, die die F-16 abschießen könnten. So kommen diese wohl vorerst auch nicht gegen Putins Truppen auf der annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim zum Einsatz. Die Ukraine soll in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren aus den Niederlanden (bis zu 42 F-16-Kampfflugzeuge), aus Dänemark (19 Flugzeuge), Norwegen (fünf bis zehn Stück) und Belgien (30 Flugzeuge) bis zu 100 Kampfjets der älteren Version F-16A/B erhalten. (pm)

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