Kampfdrohnen wie im Ukraine-Krieg

Wegen Wladimir Putin: Bundeswehr veröffentlicht Liste mit Waffenprioritäten

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Aufgrund der Aggressivität von Wladimir Putins Russland erstellt die Bundeswehr eine Rangliste an benötigten Waffen - samt neuartiger Kampfdrohnen.

Berlin – Der Ukraine-Krieg wird unvermindert brutal geführt. Bisherige Verhandlungen mit dem Moskau-Regime von Kreml-Autokrat Wladimir Putin aus Russland brachten keinen Durchbruch.

Russische Aggression unter Wladimir Putin: Bundeswehr nennt Waffen-Prio-Liste

Stattdessen fordert ein britischer Ex-Nachrichtendienstler vom Vereinigten Königreich, sich für einen möglichen Konflikt mit Putin zu wappnen. Rüstungsunternehmen plädieren sogar für einen regelrechten „Drohnenwall“ gegen Putin, während die russische Armee in der Ukraine weiter vorrückt und Gebietsgewinne verzeichnet.

Angesichts der weltpolitischen Lage hat die deutsche Bundeswehr nach der Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben eine Prioritätenliste der am dringendsten benötigten Ausrüstungsgegenstände sowie Waffensysteme erstellt und öffentlich gemacht. Eine sehr hohe Priorität haben demnach Kampfdrohnen und mehr Luftabwehr für Deutschland im Rahmen der Verteidigungsallianz Nato.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Bedrohung durch Wladimir Putins Regime: Bundeswehr priorisiert Anschaffungen

Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer, der der oberste General der deutschen Streitkräfte ist, sprach im Tagesspiegel von einer „abgestimmten Priorisierung“. Laut Nachrichtenagentur AFP war die Prioritätenliste im Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD angekündigt worden. IPPEN.MEDIA verschafft einen Überblick über die wichtigsten Punkte.

  • Kampf- und Aufklärungsdrohnen: Wie laut Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Donnerstag (3. April) aus dem Verteidigungsministerium bekannt wurde, soll eine nennenswerte Anzahl von Kampfdrohnen für die Truppe angeschafft werden. Zu diesem Zweck sollen demnach „zeitnah“ Verträge mit Herstellern aus der Rüstungsindustrie unterschrieben werden. Dem Bericht zufolge soll zuerst eine kleinere Anzahl für Tests geordert werden. Als Lieferanten nennt die FAZ die deutschen Unternehmen Helsing und Stark Defense, jeweils mit Hauptsitz in München. Helsing befasst sich mit Künstlicher Intelligenz (KI) für Waffensysteme.
  • Die bekannte Kampfdrohne HX-2 ist eine elektronisch angetriebene X-Wing-Präzisionsdrohne mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern. Laut Website des KI-Verteidigungsunternehmens ist die HX-2 „softwarebasiert, massenproduzierbar und schwarmfähig“. Sie gilt im Militärjargon als Loitering Weapon, also als „lauernde Waffe“, die über einem Gebiet kreisen und sich dann auf ein Ziel stürzen kann. Mehrere HX-2 Drohnen können den Hersteller-Angaben zufolge zu Schwärmen zusammengefasst und von einem menschlichen Bediener, ergo einer Soldatin oder einem Soldaten, gesteuert werden. Wie viel Sprengstoff eine HX-2 mit sich führen kann, ist öffentlich nicht bekannt. Seit Januar 2025 produziert Helsing eigenen Angaben zufolge in einer neuen Fabrik an einem nicht präzisierten Ort in Süddeutschland etwa 1000 dieser Drohnen im Monat. Mittelfristig solle die Produktion verzehnfacht werden.
Unter Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) treibt die Bundeswehr ihre eigene Ausstattung voran - unter anderem mit der Kampfdrohne HX-2 von Helsing.

Abschreckung gegen Wladimir Putin: Bundeswehr fordert mehr Drohnen- und Flugabwehr

  • Drohnen- und Flugabwehr: In der Luftverteidigung hat Deutschland Militär-Experten wie Carlo Masala (Universität der Bundeswehr München) zufolge erheblichen Nachholbedarf. Stand Anfang April 2025 hatte die Bundeswehr von einstmals zwölf Patriot-Flugabwehr-Batterien noch neun mit mittlerer Reichweite (bis 160 Kilometer) in ihrem Bestand. Eines dieser Systeme schützt mit rund 200 Bundeswehr-Soldaten den Nato-Flughafen im ostpolnischen Rzeszow, über den ein Großteil der Waffen-Lieferungen an die Ukraine abgewickelt werden. In den USA hat Deutschland weitere acht Patriot-Flugabwehrsysteme bestellt. Jedes System besteht aus bis zu acht Startgeräten M903 auf LKW-Anhängern mit je 16 Lenkflugkörpern, aus einem Feuerleitstand AN/MSQ-104, einem Multifunktionsradar und aus Antennenmastanlagen.
  • Die Bundeswehr bekam erst ein einziges Iris-T-Luftabwehrsystem, obwohl diese in Deutschland gebaut werden. Langfristig sind sechs Iris-T-Systeme vorgesehen. Da zum Beispiel auch Österreich vier Kurzstreckensysteme IRIS-T-SLS (Reichweite bis zu 15 Kilometer) und vier IRIS-T-SLM (Reichweite bis zu 50 Kilometer) bestellt hat, gibt es viel zu tun für den Rüstungshersteller Diehl Defence vom Bodensee.
Eine Startvorrichtung für Patriot-Flugabwehrraketen der Bundeswehr. (Symbolfoto)

Schutz vor Kamikaze-Drohnen: Bundeswehr erhält Flugabwehr Skyranger 30

  • Die Bundeswehr hatte Rheinmetall im Februar 2024 mit der Lieferung von 18 Flugabwehrsystemen Skyranger 30 beauftragt – samt Option auf 30 weitere Systeme. Kostenvolumen: 595 Millionen Euro. Der unbemannte Turm mit der wuchtigen Revolverkanone im Kaliber 35 Millimeter (bis zu 1200 Schuss pro Minute) hat entweder einen GTK Boxer oder einen Leopard 1 als Waffenplattform. Der Schütze kann das Ziel, etwa eine Kamikaze-Drohne, mittels einer Hochleistungskamera erfassen und verfolgen. Anfang Februar 2025 wurde der erste Skyranger an das Heer übergeben.
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.

Verteidigung von Deutschland und der Nato: Bundeswehr kauft für Milliarden Munition

  • Munition und Kampfunterstützung: „Unsere Einsatzbereitschaft muss schnell weiter erhöht werden. Das ist und muss unser vorrangiges Ziel sein“, sagte Breuer dem Tagesspiegel: „Wir müssen abschrecken. Denn wir sind mit einer ernsten Bedrohung konfrontiert.“ So fordert der General mehr Munition auf Vorrat. Ein Beispiel: Im Juni 2024 bestellte die Bundeswehr bei Rheinmetall Artilleriemunition im Wert von rund 8,5 Milliarden Euro. Ein Teil der Lieferung sollte jedoch Kiew bereitgestellt werden. Die Nato verpflichtet alle Bündnispartner, Munition für 30 Tage Kampf vorrätig zu halten. In der ARD-Dokumentation „Angst vor Krieg: Die Deutschen in der Zeitenwende“, die im Januar aufgezeichnet wurde, erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD): „Wir arbeiten daran.“ Zu Kampfunterstützung zählen etwa Lastwagen und Spezialausrüstungen für die Pioniere. „Das zahlt auf unsere Kriegstüchtigkeit für 2029 ein“, erklärte Breuer.

Großen Bedarf gibt es währenddessen bezüglich der Truppenstärke. Laut Website der Bundeswehr hatte Deutschland, Stand 31. Januar dieses Jahres, 182.857 Soldatinnen und Soldaten. Zum Beispiel der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter forderte jüngst bei IPPEN.MEDIA rund 460.000 Bundeswehr-Soldaten als fixen Personalbestand. (pm)

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